Der Google-Mutterkonzern Alphabet ist Aktionär bei Qualcomm. Aus der Pflichtmitteilung (Form 13F), die Alphabet mit Datum 6. November bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat, geht hervor: Zum Stichtag 30. September hielt der Konzern 2.976.982 Qualcomm-Aktien im Wert von 547,9 Millionen US-Dollar. In keiner der zwölf vorangegangenen Quartalsmeldungen seit Herbst 2023 taucht Qualcomm auf, die Position ist also neu. Reuters berichtete am Freitag über die Beteiligung und brachte sie mit Qualcomms Vorstoß ins Rechenzentrum in Verbindung. Die Qualcomm-Aktie legte vorbörslich um 3 Prozent zu, nachdem sie am Donnerstag nach schwachen Quartalszahlen und einem breiteren Kursrutsch um mehr als 9 Prozent gefallen war.

Was die Meldung verrät und was nicht

Das Formular 13F müssen institutionelle Vermögensverwalter, die über mindestens 100 Millionen Dollar in bestimmten börsennotierten Wertpapieren entscheiden, vierteljährlich einreichen, spätestens 45 Tage nach Quartalsende. Es zeigt nur die Bestände am Quartalsende. Wann Alphabet die Aktien erhalten hat, zu welchem Preis und ob sich der Bestand seither verändert hat, steht nicht darin.

Gemessen an Qualcomms rund 1,07 Milliarden ausstehenden Aktien entspricht die Position knapp 0,3 Prozent. In Alphabets gemeldetem Portfolio von insgesamt 88,3 Milliarden Dollar ist sie die sechstgrößte; fast alles entfällt auf die SpaceX-Beteiligung mit 83,7 Milliarden Dollar. Ebenfalls in der Liste steht, unverändert seit dem Vorquartal, ein Paket Arm-Aktien im Wert von rund 568 Millionen Dollar. Arm liefert die Technik, auf der viele Qualcomm-Chips aufbauen.

Aufschlussreich ist, wem die Position zugeordnet ist. Als beteiligter Verwalter ist in der Meldung die GV Management Company eingetragen, Alphabets Wagniskapitalgesellschaft, früher Google Ventures. GV hatte 2022 die erste Finanzierungsrunde des KI-Softwarehauses Modular angeführt, das ehemalige Apple- und Google-Entwickler gegründet haben. Qualcomm hat Modular am 28. Juli 2026 übernommen und überwiegend mit eigenen Aktien bezahlt, laut Geschäftsbericht mit rund 18 Millionen Stück. Ob Alphabets Qualcomm-Aktien ganz oder teilweise aus diesem Tausch stammen oder gezielt gekauft wurden, geht aus der Meldung nicht hervor. Auch der Reuters-Bericht äußert sich dazu nicht.

Qualcomms Weg ins Rechenzentrum

Qualcomm, bekannt für die Snapdragon-Chips in Smartphones und Notebooks, versucht laut Reuters nicht zum ersten Mal, im Rechenzentrum Fuß zu fassen. Im Oktober 2025 stellte das Unternehmen die KI-Beschleuniger AI200 und AI250 vor, die als fertig bestückte Racks kommen: direkte Flüssigkeitskühlung, PCIe für die Kopplung innerhalb des Racks (Scale-up), Ethernet zwischen den Racks (Scale-out) und 160 Kilowatt Leistungsaufnahme pro Rack. Die AI200 trägt 768 GByte LPDDR-Speicher pro Karte, also den Speichertyp aus Smartphones und Notebooks statt des teuren High Bandwidth Memory (HBM), das auf Nvidias GPUs sitzt. Erster Kunde war das saudische KI-Unternehmen Humain mit geplanten 200 Megawatt.

Auf dem Investorentag im Juni zeigte Qualcomm die weitere Planung für seine Rechenzentrumsfamilie Dragonfly. Kern ist High Bandwidth Compute (HBC): Rechenlogik und Speicher werden dreidimensional gestapelt, damit Daten kürzere Wege zurücklegen. Qualcomm sieht darin die Antwort auf die „Memory Wall“, den Engpass zwischen Recheneinheit und Speicher, der bei der KI-Inferenz bremst. Mit HBC der ersten Generation soll die AI250 eine effektive Speicherbandbreite von 133 TByte/s pro Karte erreichen, 18-mal so viel wie die AI200. Erste Muster sind für Mitte 2027 geplant. Die AI300 mit HBC Gen 2 soll bei der Bandbreite das 54-Fache der AI200 schaffen und viele Beschleuniger über die Branchenstandards UALink und ESUN koppeln; Muster sind für 2028 angekündigt. Gegenüber HBM verspricht Qualcomm sechsmal mehr Bandbreite pro Watt. Das sind Herstellerangaben, unabhängige Messungen gibt es noch nicht.

Dazu kommt ein eigener Server-Prozessor, die Dragonfly C1000: ein Chiplet-Design mit mehr als 250 selbst entwickelten Oryon-Kernen, die mit über 5 GHz takten sollen, dazu PCIe Gen 7 mit mehr als 2 TByte/s, CXL und LPDDR-Speicher, auf Wunsch ergänzt um HBC. Qualcomm schätzt die Leistung pro Watt auf mehr als das Doppelte konkurrierender Server-CPUs. Kommerziell verfügbar sein soll der Chip 2028. Meta will damit seine nächste Server-Generation bestücken.

Luftaufnahme eines Google-Rechenzentrums mit großer Halle und Kühlanlagen in Council Bluffs, Iowa, bei Sonnenuntergang

Bild: Google-Rechenzentrum in Council Bluffs, Iowa. Foto: Chad Davis, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Kunden und Ziele

Auch Abnehmer kann Qualcomm vorweisen. Microsoft will laut Reuters Qualcomms HBC-Chips einsetzen, Meta die C1000. Mit Amazon vereinbarte Qualcomm im September eine Zusammenarbeit über mehrere Generationen kundenspezifischer Chips für KI-Inferenz sowie bei optischen Verbindungen bis 1,6 TBit/s. Amazon erhielt dabei einen Optionsschein auf bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien zum Ausübungspreis von 161,26 Dollar, die schrittweise freigeschaltet werden, abhängig von Bestellungen und Käufen im Wert von bis zu 60 Milliarden Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 peilt Qualcomm 5 Milliarden Dollar Umsatz mit Rechenzentren an, bis 2029 sollen es laut Reuters 15 Milliarden werden. Zugekauft hat Qualcomm Ende 2025 den Chipentwickler Alphawave, auf den der Anstieg der Rechenzentrumsumsätze im abgelaufenen Geschäftsjahr um 235 Millionen Dollar laut Geschäftsbericht vor allem zurückgeht, und im Juli Modular. Dessen Software soll KI-Modelle effizient auf unterschiedlicher Hardware ausführen.

Google: Partner, Kunde von Nvidia und eigener Chipentwickler

Für Google ist Qualcomm bislang vor allem Partner bei Endgeräten. Qualcomm-Chips treiben laut Reuters seit Langem praktisch alle großen Android-Smartphones an, seit September auch Googlebook-Laptops von Dell und HP mit Snapdragon X Elite. Seit 2024 arbeiten beide Firmen zudem an KI für Autos. Von Rechenzentrumschips für Google ist im Reuters-Bericht keine Rede.

Dort setzt Google auf Eigenentwicklungen. Tensor Processing Units (TPU) laufen nach Googles Angaben seit mehr als zehn Jahren in den eigenen Rechenzentren. Im April stellte Google die achte Generation vor, erstmals aufgeteilt in zwei Chips: TPU 8t fürs Training mit bis zu 9600 Chips pro Superpod und TPU 8i für die Inferenz mit 384 MByte SRAM und 288 GByte HBM. Die TPU 8i soll ein um 80 Prozent besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten als der Vorgänger. Dazu kommen die Arm-basierten Axion-CPUs. Damit überschneiden sich die Ambitionen: Analysten der Bank of America zählten Googles Axion im Juni ausdrücklich zur Konkurrenz, auf die Qualcomm im Rechenzentrum trifft, neben Nvidia, Cerebras und Amazons Graviton. Gleichzeitig vermietet Google in seiner Cloud Nvidia-Systeme und kündigte im April an, zu den ersten Anbietern von Instanzen mit Nvidias Vera-Rubin-Plattform zu gehören.

Nvidia als Maßstab

Qualcomms Verhältnis zu Nvidia ist zweigleisig. Mit eigenen Beschleunigern und günstigerem Speicher zielt Qualcomm auf Cloud-Anbieter, die laut Reuters Alternativen zu Nvidias teuren Chips suchen. Gleichzeitig hatten Nvidia und Qualcomm im Mai 2025 angekündigt, dass sich Qualcomm-CPUs über Nvidias NVLink Fusion direkt mit Nvidia-GPUs in Rack-Systemen koppeln lassen. Als Verbindung zwischen den eigenen Beschleunigern nennt Qualcomm für die AI300 dagegen UALink und ESUN, nicht Nvidias NVLink.

Ob die Strategie aufgeht, zeigt sich frühestens 2027, wenn AI250 und HBC als Muster verfügbar sein sollen; C1000 und AI300 folgen 2028. Umsatz im Rechenzentrum erwartet Qualcomm zunächst aus Auftragsentwicklungen für große Cloud-Anbieter, deren Auslieferungen laut Geschäftsbericht ab dem ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2027 anlaufen, das Ende September begonnen hat. Gemessen an Alphabets Größe ist die Beteiligung klein. Strategische Absichten lassen sich aus der Meldung allein nicht ablesen.

Quellen

Bildnachweis