Dieselben Investoren, die im Sommer Electronic Arts von der Börse genommen haben, haben offenbar das nächste große Unternehmen der Spielebranche im Blick: den Engine-Hersteller Unity. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei Personen, die mit den vertraulichen Gesprächen vertraut sind. Bestätigt ist bislang nichts. Unity lehnte einen Kommentar ab, Silver Lake und der saudi-arabische Public Investment Fund (PIF) reagierten zunächst nicht auf Anfragen. An der Börse reichte der Bericht trotzdem für einen weiteren Kurssprung.

Was Reuters berichtet

Nach dem Bericht, der am Donnerstagabend US-Zeit erschien, sind Silver Lake und der PIF in den vergangenen Wochen wegen einer möglichen Übernahme auf Unity zugegangen. Im Gespräch war demnach eine Bewertung von rund 25 Milliarden US-Dollar, und zwar noch vor den aktuellen Quartalszahlen. Nach deren Veröffentlichung kam Unity an der Börse auf rund 21,5 Milliarden US-Dollar. Unity arbeitet laut Reuters seit dem Vorstoß mit einer Investmentbank zusammen, um seine Optionen zu prüfen. Die Gespräche seien vorläufig, ob es zu einer Transaktion kommt, sei ungewiss, und die Bedingungen könnten sich noch ändern.

Silver Lake ist bei Unity kein Unbekannter. Der Finanzinvestor stieg 2017 mit rund 400 Millionen US-Dollar ein und hält nach Reuters-Angaben etwa 8 Prozent der Anteile. Egon Durban von Silver Lake sitzt zudem im Board von Unity. Reuters weist darauf hin, dass ihn diese Doppelrolle typischerweise dazu bringen würde, sich aus den Beratungen des Gremiums über einen Verkauf herauszuhalten.

Die an der New Yorker Börse NYSE notierte Unity-Aktie hatte schon im regulären Handel am Donnerstag um fast 15 Prozent zugelegt, nachdem das Unternehmen vor Handelsbeginn seine Quartalszahlen vorgelegt hatte. Nach dem Reuters-Bericht ging es nachbörslich weiter aufwärts, laut Investing.com zeitweise um 6,6 Prozent auf 52,04 US-Dollar.

Symbolbild: Fassade der New Yorker Börse an der Wall Street mit US-Flaggen und Straßenschild

Bild: Symbolbild, die New York Stock Exchange an der Wall Street – Foto: Carlos Delgado, Lizenz CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Erster Gewinn seit dem Börsengang

Unitys Geschäft hat sich zuletzt deutlich verbessert. Im dritten Quartal 2026 stieg der Umsatz nach Unternehmensangaben um 32 Prozent auf 622,1 Millionen US-Dollar. Unterm Strich stand ein Nettogewinn von 121,6 Millionen US-Dollar, nach einem Verlust von 126,8 Millionen im Vorjahresquartal. Laut Reuters ist es Unitys erster Quartalsgewinn nach US-Bilanzregeln (GAAP) seit dem Börsengang im September 2020.

Getragen wird das Wachstum vom Werbegeschäft. Die Sparte Grow Solutions mit Unitys Werbenetzwerk setzte 457 Millionen US-Dollar um, nach 318 Millionen im Vorjahr. Die KI-gestützte Werbeplattform Vector wuchs nach Angaben von Unity-Chef Matt Bromberg im Jahresvergleich um 126 Prozent. Der Bereich Create Solutions, zu dem die Engine und die Entwicklerwerkzeuge gehören, kam auf 165 Millionen US-Dollar (Vorjahr: 152 Millionen). Gemessen am Umsatz ist Unity damit vor allem ein Werbevermarkter: Knapp drei Viertel der Erlöse stammen aus dem Grow-Bereich. Für das vierte Quartal stellt das Unternehmen in seinen als strategisch bezeichneten Geschäftsfeldern 683 bis 691 Millionen US-Dollar Umsatz in Aussicht.

Dieselben Käufer wie bei Electronic Arts

Die Parallele zu EA liegt auf der Hand. Ende September 2025 hatten der PIF, Silver Lake und Affinity Partners, die Investmentfirma von Jared Kushner, die Übernahme von Electronic Arts angekündigt: 210 US-Dollar je Aktie in bar, bei einem Unternehmenswert von rund 55 Milliarden US-Dollar. Finanziert wurde der Kauf laut EA mit rund 36 Milliarden US-Dollar Eigenkapital, in das der PIF seinen bestehenden EA-Anteil von 9,9 Prozent einbrachte, und 20 Milliarden US-Dollar Fremdkapital, zugesagt von JPMorgan. Nach der Zustimmung der Aktionäre im Dezember 2025 wurde die Übernahme am 4. August 2026 abgeschlossen. Die EA-Aktie wird seitdem nicht mehr an der Nasdaq gehandelt.

Gut zwei Monate später, im Oktober, schloss EA das Rollenspielstudio BioWare und stoppte die Arbeit am nächsten „Mass Effect“. Nach einem Bloomberg-Bericht, auf den sich die Nachrichtenagentur AP beruft, fallen insgesamt rund 400 Stellen weg, etwa 50 davon bei BioWare. Einen direkten Zusammenhang mit dem Eigentümerwechsel stellt AP nicht her.

Saudi-Arabiens Spielestrategie

Für den PIF wäre Unity ein weiterer Baustein einer seit Jahren verfolgten Strategie. Seine Spieletochter Savvy Games Group, die vollständig dem Staatsfonds gehört, kündigte im September 2022 Investitionen von 37,8 Milliarden US-Dollar an. Ziel ist, Saudi-Arabien bis 2030 zu einem globalen Zentrum für Spiele und E-Sport zu machen. 2023 kaufte Savvy für 4,9 Milliarden US-Dollar den Mobile-Spezialisten Scopely („Monopoly Go“), der 2025 für 3,5 Milliarden US-Dollar das Spielegeschäft von Niantic mit „Pokémon Go“ übernahm. Zum Portfolio gehört außerdem die E-Sport-Firma ESL FACEIT Group. Im Januar 2026 kündigte der PIF an, börsennotierte Spielebeteiligungen im Wert von rund 12 Milliarden US-Dollar an Savvy zu übertragen, darunter Anteile an Nintendo und Bandai Namco. Im Februar wurde bekannt, dass auch die knapp 3 Milliarden US-Dollar schwere Beteiligung an Take-Two inzwischen bei Savvy liegt.

Mit Unity arbeitet Savvy bereits zusammen. Im August 2025 unterzeichneten beide eine Absichtserklärung: Qualifizierte saudi-arabische Projekte und Teams sollen ausgewählte Unity-Dienste wie Backend, Analytics, Werbung und Multiplayer-Werkzeuge kostenlos nutzen können. Laut Reuters setzen zudem Scopely und das „Pokémon Go“-Team von Niantic auf Unity-Werkzeuge. Die Interessenten würden also einen Anbieter kaufen, dessen Werkzeuge Studios in ihrem eigenen Umfeld bereits nutzen.

Was das für Spieleentwickler bedeutet

Gemessen an der Zahl der Spiele ist Unity die meistgenutzte Engine auf Steam. Nach einer Auswertung von Video Game Insights, heute Teil von Sensor Tower, entstanden 51 Prozent der 2024 auf Steam veröffentlichten Spiele mit Unity und 28 Prozent mit der Unreal Engine. Beim Umsatz lag Unreal mit 31 Prozent allerdings vor Unity mit 26 Prozent. GameDiscoverCo kommt in einer eigenen Analyse für 2025 auf einen Unity-Anteil von 49,4 Prozent der erfassten Steam-Spiele.

Entsprechend empfindlich reagiert die Branche auf Richtungswechsel bei Unity. Im September 2023 kündigte das Unternehmen die sogenannte Runtime Fee an, eine Gebühr pro Installation eines Spiels. Nach heftigen Protesten ruderte Unity teilweise zurück, im Oktober 2023 trat der damalige Chef John Riccitiello mit sofortiger Wirkung ab. Im September 2024 strich der heutige Chef Matt Bromberg die Gebühr für Spielekunden ganz und kehrte zum Abo-Modell pro Arbeitsplatz zurück. Zum Januar 2025 wurde Unity Pro um 8 Prozent auf 2.200 US-Dollar pro Platz und Jahr teurer, im Gegenzug stieg die Grenze für die kostenlose Personal-Version auf 200.000 US-Dollar Umsatz beziehungsweise Finanzierung im Jahr. Preise wollte Unity künftig nur noch einmal im Jahr überprüfen.

Für Entwicklerinnen und Entwickler ändert sich vorerst nichts: Es gibt weder ein Angebot noch eine Vereinbarung, und über Pläne der Interessenten für Lizenzen oder Preise ist nichts bekannt. Offene Fragen wären im Fall eines Kaufs etwa, wie er finanziert würde und welche Rolle die Engine neben dem inzwischen deutlich größeren Werbegeschäft spielen soll. PC Gamer bezweifelt in seiner Meldung, dass Beschäftigte von Unity auf einen Abschluss hoffen, und verweist auf die Schulden und Entlassungen bei EA.

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