Nach zwei Verschiebungen um jeweils eine Woche hat das Fedora-Projekt am Dienstag Fedora Linux 45 freigegeben. Zweimal hatte das Release-Team zuvor das „Go“ verweigert: Am 15. Oktober lag schlicht kein brauchbarer Release Candidate vor, am 22. Oktober stoppten offene Blocker-Bugs den Kandidaten RC-1.2. Erst in der Sitzung vom 29. Oktober erhielt RC 1.4 die Freigabe. Die neue Version bringt aktuelle Desktops, einen neuen Unterbau für die Textkonsole und einige Änderungen, die Admins vor dem Upgrade kennen sollten.

GNOME 51 und Plasma 6.8

Fedora Workstation setzt auf GNOME 51, das das GNOME-Projekt am 16. September unter dem Codenamen „A Coruña“ veröffentlicht hat. Der Compositor Mutter plant die Bildausgabe neu, Animationen sollen dadurch laut GNOME auch unter Last flüssiger laufen; Bildschirmaufnahmen kommen mit weniger Pufferkopien aus. Die Unterstützung für veraltete NVIDIA-Treiberschnittstellen hat das Projekt entfernt, GNOME nutzt nur noch die modernen Standardschnittstellen. In den Einstellungen verschwindet WEP als WLAN-Verschlüsselung vollständig. Neu sind Einstellungen für DNS-Suchdomänen, automatisches Drehen des Bildschirms bei Geräten mit Lagesensor und Fernanmeldung auch über SSH-Server mit Socket-Aktivierung. Passwörter und Schlüssel verwaltet auf Desktops mit GNOME Keyring künftig oo7; vorhandene Daten übernimmt der Dienst laut Fedora automatisch.

Die KDE-Edition liefert Plasma 6.8 aus, im Release-Repository liegt Version 6.8.1. KDE hatte Plasma 6.8 am 14. Oktober veröffentlicht und dabei die Unterstützung für X11-Sitzungen beendet; Anwendungen, die noch X11 benötigen, laufen weiter über XWayland. Neu sind unter anderem das in Plasma integrierte Backup-Werkzeug Kup, Bildschirmaufnahmen mit System- und Mikrofonton in Spectacle sowie ein „Dwell Clicker“, der einen Klick auslöst, sobald der Mauszeiger stillsteht. Als Spins bietet Fedora weiterhin unter anderem Cinnamon, Xfce, MATE und COSMIC an.

Symbolbild: KDE-Plasma-Desktop von Fedora 40 mit geöffnetem Startmenü und Systeminformationen

Symbolbild: Fedora 40 mit KDE Plasma 6.0 (Vorgängerversion). Bild: Allman / Wikimedia Commons, CC0

Unterbau: Linux 7.2, kmscon und Stratis

Als Kernel dient Linux 7.2, das Release-Repository enthält Version 7.2.11. Die Toolchain springt auf GCC 16.2, Binutils 2.47, Glibc 2.44 und GDB 17.2, dazu kommen LLVM 23, Go 1.27, Python 3.15, Perl 5.44, Lua 5.5 und RPM 6.1. OpenSSL wechselt auf Version 4.0; für Software, die noch auf die alte Schnittstelle angewiesen ist, liegen Kompatibilitätsbibliotheken der 3er-Reihe im Paket openssl3 bereit.

Die auffälligste Änderung abseits des Desktops betrifft die Textkonsole: Statt des Kernel-Terminals fbcon startet auf den virtuellen Terminals nun kmscon, ein Terminalemulator im Userspace. Er nutzt xkbcommon für Tastaturlayouts samt Umschaltung, stellt Unicode besser dar und kann wieder zurückscrollen – fbcon hatte diese Funktion vor einigen Jahren wegen einer Sicherheitslücke verloren. Stürzt kmscon ab, startet systemd den Dienst neu, während ein Fehler in fbcon eine Kernel-Panic auslöst. Startet kmscon nicht, fällt das System auf getty und fbcon zurück; der Bootvorgang samt Passwortabfrage für verschlüsselte Laufwerke bleibt unverändert.

Der Installer Anaconda kann Fedora erstmals auf Stratis einrichten. Bei der manuellen Partitionierung öffnet er dazu das Speichermodul von Cockpit, in Kickstart-Dateien stehen autopart --type=stratis sowie die Befehle stratispool und stratisfs bereit. Neu ist außerdem ein Web-Frontend für DRM Panic: Wer den QR-Code eines Kernel-Panic-Bildschirms scannt, landet auf einer Fedora-Seite, die den Fehler erklärt und beim Bugreport hilft. NetworkManager unterstützt jetzt standardmäßig IPv6-mostly-Netze mit NAT64 und einer lokalen CLAT-Instanz für verbliebenen IPv4-Verkehr.

Was Admins vor dem Upgrade wissen müssen

Einige Änderungen können eingespielte Abläufe brechen:

  • RPM erzwingt Signaturen: Pakete ohne gültige Signatur installiert rpm nur noch mit --nosignature. Für Pakete aus offiziellen und Drittanbieter-Repositorys ändert sich laut Fedora nichts; wer lokal mit rpmbuild baut, richtet mit /usr/lib/rpm/rpm-setup-autosign eine automatische Signierung ein.
  • Repo-Dateien wandern nach /usr: Die mitgelieferten Repository-Definitionen liegen nun unter /usr/share/dnf5/repos.d, die Signaturschlüssel unter /usr/share/pki/rpm-gpg. Selbst geänderte Dateien bleiben in /etc/yum.repos.d und haben Vorrang. DNF 4 und YUM taugen damit nicht mehr als Paketmanager für das System.
  • Podman 6: Die neue Hauptversion entfernt slirp4netns, cgroups v1 und das BoltDB-Backend. Wer seine Containerdatenbank noch nicht auf SQLite migriert hat, findet den Containerzustand nach dem Upgrade unbrauchbar vor.
  • ptrace eingeschränkt: Solange keine Debugger installiert sind, dürfen Prozesse andere, bereits laufende Prozesse desselben Nutzers nicht mehr untersuchen. Pakete wie gdb, strace oder ltrace schalten das alte Verhalten über eine sysctl-Datei wieder frei.
  • Entfernt: Die VPN-Plugins NetworkManager-vpnc und NetworkManager-fortisslvpn werden ausgemustert, das NIS-Profil verschwindet aus authselect. Python-Setuptools 82 kommt ohne pkg_resources.
  • Datenbanken: Standardversionen sind jetzt MySQL 9.7 und MariaDB 12.3.

So gelingt das Upgrade

Fedora 44 und 43 lassen sich direkt auf Version 45 heben; offiziell unterstützt und getestet ist ein Sprung über höchstens zwei Versionen. Vorher sollte ein Backup entstehen. Auf der Kommandozeile sieht der Ablauf mit DNF 5 so aus:

# System aktualisieren, danach neu starten
sudo dnf upgrade --refresh
sudo reboot

# Pakete für Fedora 45 herunterladen
sudo dnf system-upgrade download --releasever=45

# Neustart in die Offline-Aktualisierung
sudo dnf offline reboot

# Nach dem Upgrade: ausgemusterte Pakete aufräumen
sudo dnf install remove-retired-packages
remove-retired-packages

Melden sich unerfüllte Abhängigkeiten, meist durch Pakete aus Drittquellen, hilft die Option --allowerasing – die Liste der zu entfernenden Pakete solltest du dann genau prüfen. Den früher üblichen Befehl sudo dnf system-upgrade reboot braucht es laut Fedora-Dokumentation nur noch, wenn dnf offline fehlt, etwa mit DNF 4 auf Fedora 40 und älter. Wer von Fedora 43 kommt, übergibt dem Aufräumskript die alte Versionsnummer: remove-retired-packages 43. Die Atomic-Desktops wie Silverblue und Kinoite wechseln per Rebase auf die neue Version.

Apple Silicon und Supportzeitraum

Parallel hat das Projekt Fedora Asahi Remix 45 für Macs mit Apple-Chips veröffentlicht. Neben M1- und M2-Systemen unterstützt die Ausgabe erstmals ab Werk M3, M3 Pro und M3 Max, allerdings zunächst ohne 3D-Beschleunigung; die nötigen GPU-Treiber sollen später per Mesa-Update folgen. Hauptdesktop ist Plasma 6.8, eine Variante mit GNOME 51 gibt es ebenfalls. Bestehende Installationen von Version 43 oder 44 lassen sich per Plasma Discover oder DNF aktualisieren, nicht aber über GNOME Software.

Fedora 45 erhält laut Projektzeitplan bis zum 8. Dezember 2027 Updates. Für Fedora 43 endet die Unterstützung bereits Mitte Dezember 2026 – wer diese Version noch einsetzt, sollte das Upgrade nicht lange aufschieben.

Quellen

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