Wer Home Assistant mit Erweiterungen aus der Community betreibt, kennt den Umweg über HACS: separat installieren, mit GitHub verbinden, nach jedem Download neu starten. Mit Version 2026.11 entfällt dieser Schritt, denn der Community-Store steckt jetzt als „Marketplace“ direkt in Home Assistant. Franck Nijhof, der die Release-Notes verfasst hat, nennt die Version das mit Abstand größte Release des Projekts: Laut GitHub stecken 5.827 Pull-Requests von 557 Beteiligten darin, dazu kommen 38 neue Integrationen. Ganz ohne Tücken ist das Update allerdings nicht, denn die Entwickler haben auch die Benennung von Entitäten grundlegend umgebaut.

HACS wird zum Marketplace

Der Marketplace findet sich unter „Einstellungen > Marketplace“ und funktioniert mit allen Installationsarten, auch mit Home Assistant Container. Administratoren installieren darüber Integrationen, Dashboard-Karten, Themes und Templates aus der Community, ein GitHub-Konto ist dafür nicht mehr nötig. Neue Integrationen landen direkt im Einrichtungsdialog, ohne Neustart; Updates erfordern vorerst weiterhin einen. Jedes installierte Projekt erhält eine Update-Entität und erscheint damit unter „Einstellungen > Updates“. Nur wer zusätzliche Repositorys von Hand einbindet, muss Home Assistant per Gerätecode mit GitHub verbinden; die Verbindung liest laut Projekt nur öffentliche Informationen.

Bestehende HACS-Installationen migriert Home Assistant beim ersten Start nach dem Update automatisch: Installierte Projekte, eigene Repositorys und Update-Entitäten bleiben erhalten, die HACS-Integration selbst wird samt ihrer Dateien entfernt. Der HACS-Installer endet mit Version 2026.11, ein separates HACS lässt sich darauf nicht mehr installieren. AppDaemon-Apps und Python-Skripte verwaltet der Marketplace nicht mehr; sie laufen weiter, bekommen aber keine Updates. Templates mit integration_entities('hacs') finden nichts mehr und müssen auf integration_entities('marketplace') umgestellt werden, Werkzeuge mit WebSocket-Befehlen unter hacs/ erhalten eine Fehlermeldung. Beim ersten Öffnen zeigt der Marketplace einen Warnhinweis, den du ernst nehmen solltest: Die Inhalte stammen aus der Community, das Projekt testet und prüft sie nicht, und sie können auf dein Zuhause, deine Daten und das System zugreifen, auf dem Home Assistant läuft.

Neue Namen für Entitäten

Die größte Umstellung betrifft die Namen. Bislang zeigten Dashboards meist den „friendly_name“ einer Entität, den viele Nutzer mühsam von Hand gepflegt haben. Künftig setzt Home Assistant die Anzeige aus Teilen zusammen: Eine Entität heißt nur noch, was sie ist, etwa „Temperatur“, und Home Assistant ergänzt bei Bedarf Gerät und Bereich. Karten, Badges und Zeilen ohne eigenen Namen zeigen nach dem Update deshalb den Gerätenamen gefolgt vom Entitätsnamen. Eine Entität „Nebenzeit-Verbrauch“ am Gerät „Stromzähler“ erscheint dann als „Stromzähler Nebenzeit-Verbrauch“.

Entity-IDs, Automationen, Skripte und Szenen funktionieren laut Projekt unverändert weiter. Selbst vergebene Namen werden migriert; ändert sich der angezeigte Name, bleibt der alte als Alias für Sprachassistenten erhalten, sodass gewohnte Sprachbefehle weiter greifen. Wer kürzere Namen möchte, benennt das Gerät um und aktiviert für die passende Entität die Einstellung „Main entity of the device“ – sie trägt dann Namen und Bereich des Geräts – oder vergibt direkt auf der Karte einen Namen. Für Templates ist das Attribut friendly_name zur Abkündigung vorgesehen; stattdessen gibt es die Funktionen entity_name(), device_name() und area_name(). Ursprünglich sollte die Umstellung schon mit Version 2026.4 kommen, die Entwickler zogen sie nach Kritik aus der Beta jedoch zurück. Custom Cards solltest du zuerst aktualisieren: Nach Angaben des Projekts haben die Entwickler mit den Machern Dutzender beliebter Karten zusammengearbeitet, damit diese Namen genauso darstellen wie die eingebauten.

Untergeräte für Steckdosenleisten und Z-Wave

Neu sind außerdem Untergeräte (Child Devices). Geräte aus mehreren Teilen, etwa eine Steckdosenleiste, erhalten pro Teil ein eigenes Gerät mit eigenem Namen und Bereich; ohne eigene Zuordnung erbt ein Untergerät den Bereich des übergeordneten Geräts. Den Anfang machen mehrkanalige Tuya-Schalter, auch MQTT-Geräte können Untergeräte haben. Bei Z-Wave wandern Entitäten von Endpunkten, die die Gerätedatenbank von Z-Wave JS als eigene Teile beschreibt, auf eigene Untergeräte. In ZHA bekommt jede Zigbee-Gruppe ein eigenes Gerät.

Symbolbild: weiße Vierfach-Steckdosenleiste mit Schutzkontakt-Steckdosen

Symbolbild: herkömmliche Vierfach-Steckdosenleiste. Bei smarten Varianten kann Home Assistant jede Steckdose als eigenes Untergerät führen. Bild: Asurnipal / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Auch das bricht Gewohntes: Aus der Tuya-Entität „Socket 1“ wird „Socket“ am Gerät „Channel 1“; Templates, Karten und Benachrichtigungen, die den alten Namen verwenden, musst du anpassen. Wer bisher das ZHA-Koordinatorgerät als Ziel nutzte, um Gruppen zu schalten, muss auf die Gruppenentitäten oder die neuen Gruppengeräte umstellen. Bei Z-Wave entfällt eine redundante Lamellen-Entität des Fibaro FGR223 und des Shelly Qubino Wave Shutter.

Matter-Kameras, Gegensprechen nur per HTTPS

Die Matter-Integration unterstützt jetzt Kameras nach Matter 1.5. Sie erscheinen als Kamera-Entität mit Livebild und Schnappschüssen, das Video läuft per WebRTC direkt zwischen Browser und Kamera, auch ein aktiver Privatsphäremodus wird angezeigt. Voraussetzung ist ein ausreichend aktueller Matter-Server. Als Labs-Vorschau gibt es zudem „Two-way audio“: Ein Sprechknopf im Livestream erlaubt es, über Kamera oder Türklingel zu sprechen. Das klappt vorerst mit Matter-Kameras und Reolink-Modellen, letztere müssen RTSP nutzen. Weil Browser den Mikrofonzugriff nur über sichere Verbindungen erlauben, funktioniert die Funktion derzeit nur, wenn du Home Assistant per HTTPS aufrufst.

Weitere Neuerungen und Breaking Changes

In Automationen lassen sich Ziele jetzt ausschließen, etwa alle Lampen im Erdgeschoss außer denen in der Küche – auch später hinzugefügte Küchenlampen bleiben dann außen vor. Dashboards erhalten automatische Abschnitte, die sich selbst aktualisieren, Backups und Medien lassen sich auf interne oder USB-Laufwerke auslagern. Dazu kommen LoRaWAN-Unterstützung über ChirpStack oder The Things Network, batterielose Zigbee-Green-Power-Schalter in ZHA sowie ein Serial-Proxy, mit dem ESPHome-Geräte eine serielle Schnittstelle im Netzwerk bereitstellen.

Neben den Namen listen die Release-Notes weitere inkompatible Änderungen, darunter:

  • Anmeldung über öffentliche Adressen: Wer Home Assistant über eine öffentliche IP, eine globale IPv6-Adresse oder eine Tailscale-Adresse aufruft, muss nun im Browser exakt die Adresse verwenden, unter der die Anfrage bei Home Assistant ankommt. Andernfalls scheitert der Login mit „Invalid client id“. Abhilfe schaffen ein als Trusted Proxy eingetragener Reverse-Proxy oder ein Domainname.
  • Z-Wave: Nötig ist mindestens zwave-js-server 3.11.0, bei der Z-Wave-JS-App Version 1.9.0.
  • Netzwerk-Tracker: Tracker aus FRITZ!Box Tools, UniFi Network, Netgear oder Nmap Tracker haben immer ein Gerät, neue Tracker werden deaktiviert angelegt.
  • Core ohne venv: Home Assistant installiert keine Python-Pakete mehr in den Ordner deps des Konfigurationsverzeichnisses. Betroffen sind nur Core-Installationen außerhalb einer virtuellen Umgebung.
  • Sonnen- und Kalender-Trigger: Bei in YAML geschriebenen Triggern mit Offset, aber ohne offset_type, entscheidet nun das Vorzeichen; hier musst du es umdrehen.

Vor dem Update: Backup

Angesichts der Namensumstellung solltest du vor dem Update ein vollständiges Backup anlegen; im Update-Dialog unter „Einstellungen > System > Updates“ lässt es sich direkt mit auswählen. Auf Home Assistant OS geht das auch per Kommandozeile, bei Home Assistant Container mit Docker Compose genügt es, das Image neu zu ziehen:

# Home Assistant OS: vollständiges Backup anlegen, dann Core aktualisieren
ha backups new --name "vor-2026.11"
ha core update --backup

# Home Assistant Container (Docker Compose, Dienst "homeassistant")
docker compose pull homeassistant
docker compose up -d

Nach dem Update lohnt ein Blick in die Reparaturen und Logs unter „Einstellungen > System“. Wer Z-Wave JS UI als eigenen Container betreibt, sollte ihn vorher auf einen Stand bringen, der zwave-js-server 3.11.0 oder neuer enthält.

Quellen

Bildnachweis