Mehr als 44.000 Stimmen auf der eigenen Wunschliste, und erst nach über zehn Jahren liefert GOG: Die zum CD-Projekt-Umfeld gehörende Spieleplattform hat am 6. November 2026 auf ihrem ersten „GOG Showcase“ bestätigt, dass der Galaxy-Client 2027 offiziell für Linux erscheinen soll. Anlass ist der 18. Geburtstag des Shops. Über die GOG-Jubiläumsseite kann man sich bereits für eine geschlossene Beta vormerken lassen – ein konkretes Startdatum nennt der polnische Anbieter aber bisher nicht.
Für langjährige GOG-Nutzer unter Linux ist das ein später Durchbruch. Bisher gab es offiziell nur die Windows- und macOS-Versionen von Galaxy, obwohl ein Großteil des Katalogs selbst Spieleklassiker enthält, die sich mit Wine oder nativen Linux-Builds problemlos betreiben lassen. Wer seine GOG-Bibliothek unter Linux komfortabel verwalten wollte, musste bisher zu Heroic Games Launcher oder Lutris greifen – beides Community-Projekte, die GOG-Konten per API anbinden und Installer herunterladen, ohne dass GOG selbst dafür Verantwortung übernimmt.
Neuer Client für alle Plattformen
GOG beschreibt den angekündigten Client nicht als bloße Portierung, sondern als komplett neu gebaute Galaxy-Version für alle Plattformen. Windows und macOS bekommen nach Angaben des Herstellers eine überarbeitete Oberfläche, die schneller laufen und übersichtlicher aufgebaut sein soll – inklusive neuer Ansichten für zuletzt gespielte und zuletzt hinzugefügte Titel sowie zusätzlichen Filteroptionen.
Beibehalten werden soll die Bibliotheks-Anbindung an fremde Plattformen. Spiele aus Steam oder vom Epic Games Store lassen sich wie bisher in Galaxy einbinden, so dass die gesamte PC-Bibliothek an einem Ort sichtbar ist. Welche Features aus der Windows-Version ab Tag eins auch auf Linux laufen – etwa Cloud-Saves, Erfolge oder das plattformübergreifende Verknüpfen von Konten – hat GOG laut Berichten der Fachpresse noch nicht im Detail bestätigt.
Was das für die bestehenden Linux-Lösungen bedeutet
Mit Heroic Launcher und Lutris existieren bereits ausgereifte Werkzeuge, die GOG-Spiele unter Linux verwalten. Heroic wurde ursprünglich als Epic-Launcher-Alternative gestartet, unterstützt inzwischen aber auch GOG und Amazon Games und ist auf Steam-Decks weit verbreitet. Lutris wiederum ist als allgemeiner Wine/Proton-Frontend der Klassiker, der nicht nur Store-Bibliotheken anbindet, sondern auch Installations-Skripte für klassische Spiele pflegt.
Solange der offizielle Galaxy-Client fehlt, waren diese Projekte faktisch alternativlos. Ein offizieller GOG-Client könnte für viele Nutzer die bequemere Standardlösung werden – vor allem für solche, die bislang vor den Community-Werkzeugen zurückgeschreckt sind. Für die etablierten Projekte dürfte sich ihre Rolle verschieben: Sie bleiben relevant für Multi-Launcher-Setups (GOG, Epic, Amazon, EA App etc. in einer Oberfläche), und Lutris bleibt die erste Wahl, wenn es um alte Spiele mit kniffligen Installations-Skripten geht.

Bild: Tux, der Linux-Pinguin von Renato.pierri, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons. Symbolbild für den Linux-Desktop.
DRM-Freiheit bleibt das Alleinstellungsmerkmal
Bei aller Launcher-Diskussion betont GOG weiterhin das zentrale Verkaufsargument des Shops: Galaxy ist optional. Jedes gekaufte Spiel lässt sich auch ohne Client als Offline-Installer herunterladen – und der funktioniert in den allermeisten Fällen auch unter Linux zuverlässig, notfalls per Wine oder mit einem der genannten Community-Launcher. Diese DRM-Freiheit ist das, was GOG seit Jahren von Steam und Epic abgrenzt, und sie soll auch mit der neuen Galaxy-Version erhalten bleiben.
Für die Linux-Community ist die Ankündigung dennoch mehr als ein nettes Zusatzfeature. Sie ist ein weiteres Signal, dass Linux als Gaming-Plattform im Mainstream angekommen ist. Valve hat mit dem Steam Deck und SteamOS die Infrastruktur geliefert, Proton macht Zehntausende Windows-Spiele spielbar – und wenn nun auch die zweitgrößte PC-Spieleplattform mit einem offiziellen Client nachzieht, ist das ein klares „Ja, der Markt ist da“. Interessant wird in den kommenden Monaten vor allem, ob GOG den Linux-Client wirklich zeitgleich mit den anderen Plattformen fertigbekommt oder ob er am Ende doch wieder ein paar Monate hinterherhinkt.
Offene Fragen: Distributionen, Proton und Timing
Technisch ist noch vieles offen. GOG hat laut Berichten nicht bestätigt, welche Linux-Distributionen offiziell unterstützt werden sollen – naheliegende Kandidaten wären Ubuntu, Fedora und Arch, dazu idealerweise SteamOS für das Steam Deck. Auch die Frage, ob und wie der Client mit Wine beziehungsweise Proton zusammenspielt, ist offen. Für native Linux-Spiele wäre das kein Thema, für die vielen Windows-Klassiker im GOG-Katalog aber zentral: Ein Launcher, der Spiele nur anzeigt, aber nicht komfortabel starten kann, hilft Linux-Nutzern wenig.
Spannend wird außerdem, ob GOG – ähnlich wie Steam mit Proton – eine eigene Wine-Integration liefert oder sich darauf verlässt, dass Nutzer selbst eine entsprechende Umgebung einrichten. Letzteres würde das Produkt für Einsteiger deutlich weniger attraktiv machen. Erste Hinweise werden vermutlich mit dem Start der geschlossenen Beta sichtbar – zu der GOG bislang weder einen Starttermin noch die Größe des Testerkreises genannt hat.
Was du jetzt tun kannst
- Auf der GOG-Jubiläumsseite für die geschlossene Beta eintragen, wenn du Lust hast, früh zu testen – GOG verspricht eine Benachrichtigung per E-Mail.
- Deine bestehende Lösung nicht vorschnell wegwerfen: Heroic Launcher und Lutris funktionieren weiter und werden parallel gepflegt.
- Bei Steam-Deck-Nutzung: Beachte, dass ein offizieller Client im Desktop-Modus laufen wird – im Gaming-Modus bleibt Steam der Standard; Fremd-Clients musst du weiterhin selbst als „Non-Steam Game“ einbinden.
- Falls du Backups deiner GOG-Bibliothek lokal pflegst: Die Offline-Installer bleiben unverändert verfügbar, der Client ist auch im neuen Setup optional. Ein gutes Argument, sich nicht übermäßig an irgendeinen Launcher zu binden.
Quellen
- ComputerBase: GOG Galaxy – Nach jahrelangem Warten kommt der Client für Linux (6.11.2026)
- GamingOnLinux: A new GOG Galaxy is coming in 2027 with full Linux support (6.11.2026)
- Steam Deck HQ: GOG Galaxy is Coming to Linux in 2027 (6.11.2026)
Bildnachweis
- Aufmacher: 4K-Linux-Desktop auf einem Steam Deck von Daisuke Murase, Lizenz CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons.
- Inline: Tux, der Linux-Pinguin von Renato.pierri, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.