Die Nintendo Switch 2 hat ihr zweites Geschäftsjahr deutlich schwächer begonnen als das erste. Wie aus den am 4. November veröffentlichten Quartalszahlen des Konzerns hervorgeht und von ComputerBase am 5. November zusammengefasst, verkaufte Nintendo im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres (April bis September 2026) weltweit 6,49 Millionen Einheiten der neuen Konsole. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 10,36 Millionen Geräte – ein Rückgang um 37,4 Prozent.
Der Einbruch kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Konsole eigentlich in ihre erste reguläre Weihnachtssaison gehen soll. Trotzdem fällt die Bilanz für Nintendo nicht einseitig negativ aus: Der Nettogewinn des Konzerns legte im selben Zeitraum um rund elf Prozent zu. Starke Softwareverkäufe und die anhaltend guten Zahlen rund um den Super-Mario-Film gleichen die niedrigeren Hardware-Stückzahlen aus.
Quartalsweise Aufschlüsselung
Nintendo meldet für das erste Quartal (April bis Juni) 3,82 Millionen abgesetzte Switch-2-Einheiten, im zweiten Quartal (Juli bis September) waren es noch 2,67 Millionen. Die Dynamik des Launches, die in den ersten Monaten für eine außergewöhnlich hohe Nachfrage gesorgt hatte, hat sich damit sichtbar abgeschwächt. Für das gesamte Geschäftsjahr hält Nintendo seine Prognose von 16,5 Millionen verkauften Switch 2 aufrecht. Das wären rund 17 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, in dem 19,86 Millionen Geräte den Handel erreicht hatten.

Bild: Die Switch 2 im Handheld-Modus. Foto: AOMAF2024, CC0, via Wikimedia Commons.
Preiserhöhungen sind nur ein Faktor
Ein naheliegender Erklärungsversuch für den Rückgang sind die mehreren Preisanpassungen, die Nintendo im Laufe des Jahres vorgenommen hat. In Japan verteuerte sich die Konsole bereits Ende Mai um rund 20 Prozent. Für Europa und die USA folgte die Erhöhung im September: In den USA kletterte der Listenpreis um 50 US-Dollar auf 500 US-Dollar, im europäischen Raum stieg er um 30 Euro auf 499,99 Euro. Begründet wurde das offiziell mit gestiegenen Produktionskosten und Wechselkursentwicklungen.
Allerdings lässt sich der Verkaufseinbruch nicht ausschließlich mit den Preiserhöhungen begründen. Der Rückgang begann bereits im ersten Quartal, also vor der Preisanpassung in Europa und Nordamerika. Entscheidender dürfte sein, dass das Vorjahr ein außergewöhnlich starkes Launch-Jahr war. Nach dem Marktstart der Switch 2 Anfang 2025 übertraf die Nachfrage das Angebot über Monate hinweg. Käufer, die bereits in dieser Phase zugegriffen haben, fehlen jetzt als Neukunden.
Marktlage und Zubehör
Hinzu kommt die allgemeine Marktlage. Konsolen-Hardware ist traditionell konjunkturabhängig, und viele Haushalte haben andere Prioritäten. Gleichzeitig hat Nintendo bislang bewusst darauf verzichtet, parallel günstigere Modellvarianten wie eine Switch-2-Lite anzubieten, mit denen man preissensitive Käufer abholen könnte. Das Unternehmen setzt stattdessen auf Software und Dienste, die ohnehin die höhere Marge tragen.
Dass die Strategie aus Konzernsicht aufgeht, zeigt der gestiegene Gewinn. Nintendo verdient an jeder verkauften Konsole weniger als an jedem verkauften Spiel, und die installierte Basis der Switch 2 ist durch die beiden starken Halbjahre im Vorfeld bereits erheblich. Entsprechend hoch ist die Zahl der Nutzer, die in neue Spiele und Online-Abonnements investieren.
Was das für Käufer bedeutet
Für dich als potenzielle Käuferin oder potenziellen Käufer sind zwei Dinge relevant. Erstens: Die Verfügbarkeit ist inzwischen in allen großen Märkten unproblematisch. Die Wartezeiten des Launch-Jahres sind vorbei, und die Konsole liegt in nennenswerter Stückzahl bei Händlern und in Online-Shops. Zweitens: An den höheren Listenpreisen wird sich mittelfristig wenig ändern. Nintendo hat kein wirtschaftliches Motiv, kurz vor dem Weihnachtsgeschäft gegenzusteuern, solange der Gewinn stimmt.
Wer bereits eine Switch 2 besitzt, muss sich wegen der Zahlen keine Sorgen um die weitere Softwareversorgung machen. 16,5 Millionen prognostizierte Jahresverkäufe plus die bereits verkaufte Basis ergeben weiterhin einen der attraktivsten Hardware-Märkte für Publisher. Spannender wird die Frage, wie Nintendo auf die abflauende Hardware-Dynamik reagiert. Hinweise auf Preissenkungen, Bundle-Aktionen oder eine günstigere Variante gibt es im aktuellen Bericht nicht. Im Geschäftsbericht betont der Konzern vor allem die Rolle der Software – und damit genau die Sparte, die dem Nettogewinn seinen Schwung verleiht.
Einordnung
Ein Minus von 37 Prozent in der Stückzahl klingt dramatisch, ist in der Historie von Nintendo aber keine Ausnahme. Schon beim Wechsel vom Launch-Jahr der ersten Switch zum zweiten Geschäftsjahr gab es einen Rückgang – damals allerdings weniger ausgeprägt. Die Switch 2 hatte zudem eine besonders hohe Latte zu überspringen: Das Vorjahr war das stärkste erste Jahr einer Nintendo-Konsole überhaupt. Ob die aktuellen Zahlen eher als Normalisierung zu lesen sind oder als Warnsignal, wird sich erst zeigen, wenn die Daten des Weihnachtsquartals vorliegen. Nintendo veröffentlicht diese traditionell Anfang Februar.
Quellen
Bildnachweis
- Aufmacher: Nintendo Switch 2 in Docking Console von Chris Woodrich, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
- Inline: Nintendo Switch 2 console in handheld mode von AOMAF2024, Lizenz CC0, via Wikimedia Commons