Deutsche Rechenzentren könnten bis 2030 fast doppelt so viel Wasser verbrauchen wie heute. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie des Öko-Instituts, die Greenpeace am 6. November 2026 veröffentlicht hat. Treiber ist der rasche Ausbau von KI-Rechenzentren: Die Bundesregierung will die entsprechenden Kapazitäten bis 2030 vervierfachen – mit direkten Folgen für Kühlung, Strom und eben auch Wasser. Belastbare Verbrauchsdaten liefern die Betreiber bislang kaum, was eine ehrliche Debatte erschwert.
Die Studie rechnet mit einem aktuellen Jahresverbrauch von rund 13 Milliarden Litern Trinkwasser für alle deutschen Rechenzentren. Das ist, grob gerechnet, der Trinkwasserbedarf einer Stadt mit etwa 275.000 Einwohnern. Bis 2030 könnte diese Menge nach Einschätzung der Autoren auf bis zu 27 Milliarden Liter pro Jahr steigen. Zu beachten ist: Es handelt sich um eine Prognose, keine eingetretene Entwicklung. Die Zahlen hängen daran, dass die geplanten Ausbauten tatsächlich in der angekündigten Geschwindigkeit kommen und dass die Betreiber ihre Kühltechnik so weiterbauen wie heute.
Was die Hyperscaler-Projekte besonders durstig macht
Besonders im Blick hat das Öko-Institut rund 30 geplante „Mega-Rechenzentren“ in Deutschland mit mehr als 100 Megawatt Anschlussleistung. Pro Anlage und Jahr liegt deren rechnerischer Wasserbedarf laut Studie zwischen 200 Millionen und 930 Millionen Litern. Die Spannweite ergibt sich aus Lage, Auslastung und vor allem der gewählten Kühlart. Standorte mit heißem Sommerklima brauchen tendenziell mehr Wasser; Anlagen, die auf Wärmerückgewinnung oder geschlossene Kreisläufe setzen, deutlich weniger.
Die Studie unterscheidet zwei grundsätzliche Pfade: Vollständig geschlossene Kühlkreisläufe kommen in Summe nahezu ohne Frischwasserverbrauch aus, sobald sie einmal befüllt sind. Verdunstungskühlung dagegen verliert prinzipbedingt Wasser an die Umgebung – pro Megawatt und Jahr können so mehrere Millionen Liter anfallen. Nach Angaben des Öko-Instituts setzt rund ein Drittel der etwa 1.200 Rechenzentren in Deutschland bisher auf Verdunstungskühlung. Gerade diese Standorte würden bei einem KI-getriebenen Ausbau überproportional zum Mehrverbrauch beitragen.

Bild: Datacenter Server Racks. Foto: Carl Lender, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.
Intransparenz der Betreiber
Besonders scharf kritisiert der Bericht die Informationslage. Linda Klapdor, Digitalexpertin bei Greenpeace Deutschland, wird mit der Aussage zitiert, die Bürger wüssten „nicht, wie viel Wasser die Serverfarmen wirklich verbrauchen“. Ein ergänzender Bericht des SWR, auf den ComputerBase verweist, habe gezeigt, dass bei über der Hälfte der dreißig größten Betreiber in Deutschland keine Verbrauchsdaten online einsehbar waren; Marktgrößen wie Equinix und NTT hätten Auskünfte verweigert. Belastbare Rechnungen müssen daher über Annahmen und Erfahrungswerte aus dem Ausland erfolgen, was die Unsicherheit der Prognose weiter erhöht.
Rechtlich sind die Betreiber in Deutschland nicht verpflichtet, einzelne Verbrauchswerte zu veröffentlichen. Die seit 2024 geltende EU-Energieeffizienz-Richtlinie (EED) führt zwar eine Berichtspflicht für Rechenzentren ein, Daten werden aber aggregiert und mit Verzögerung ausgewertet. Der durchschnittliche Leser kann derzeit also weder nachprüfen, wie viel Wasser ein bestimmter Standort in seiner Region zieht, noch, in welchem Verhältnis dieser Bedarf zum Trinkwasservorkommen vor Ort steht.
Einordnung: Wie dramatisch ist die Zahl wirklich?
27 Milliarden Liter klingen nach viel, sind im Vergleich zum Gesamt-Trinkwasserverbrauch Deutschlands (nach Umweltbundesamt rund 5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr bei allen Nutzungen) aber ein kleiner einstelliger Prozentbereich. Entscheidend ist, wie regional der Verbrauch wirkt. Eine große KI-Anlage in einer Region mit angespannter Grundwasserlage – etwa Teilen Brandenburgs oder Hessens – kann die lokale Wasserbilanz stark beeinflussen, selbst wenn sie auf nationaler Ebene kaum ins Gewicht fällt. Diese Dimension zieht die Studie als wichtigsten Grund für mehr Transparenz heran.
Technisch gibt es Alternativen. Hyperscaler wie Microsoft und Google haben in den vergangenen Jahren mehrfach angekündigt, auf wasserfreie oder nahezu wasserfreie Kühlung umzustellen – etwa über Direct-Liquid-Cooling (geschlossene Flüssigkeitskreisläufe direkt am Chip) oder adiabate Hybridsysteme mit geringer Verdunstung. In Deutschland experimentieren einige Neubauten zusätzlich mit Abwärmenutzung, etwa für Fernwärmenetze. All das kostet aber Investitionen, und ob die KI-getriebene Ausbauwelle diese Zeit lässt, ist offen.
Was Leserinnen und Leser mitnehmen sollten
Wer sich eine Meinung zum Thema bilden will, sollte drei Dinge unterscheiden: Erstens den technisch möglichen Pfad (geschlossene Systeme, Abwärme, Direct Liquid), zweitens den heute real üblichen Pfad (ein Drittel Verdunstungskühlung, wenig Transparenz) und drittens die politische Steuerung. Die Bundesregierung hat sich mit der Vervierfachung der KI-Rechenzentrumsleistung ein ehrgeiziges Ziel gegeben. Ob dieses Ziel so erreicht wird, dass sich der Wasserverbrauch tatsächlich verdoppelt oder ob verbindliche Effizienz-Vorgaben greifen, entscheidet sich in den nächsten Monaten über konkrete Gesetzgebungsverfahren – etwa die weitere Umsetzung der EED in Deutschland.
Für die Debatte rund um Nachhaltigkeit und KI ist die Kurzstudie damit weniger ein Endpunkt als ein Startschuss: Sie zeigt, wie groß die Unsicherheit ist, weil die Betreiber kaum Zahlen liefern. Wer dagegenhalten will, muss zuerst öffentliche Daten einfordern.
Quellen
- ComputerBase: Rechenzentren in Deutschland – Wasserverbrauch soll sich bis 2030 verdoppeln (06.11.2026)
- Öko-Institut / Greenpeace: Kurzstudie zum Wasserverbrauch deutscher Rechenzentren bis 2030 (veröffentlicht 06.11.2026, siehe greenpeace.de)
- SWR-Recherche zu fehlender Transparenz deutscher Rechenzentrumsbetreiber (zitiert nach ComputerBase, 06.11.2026)
Bildnachweis
- Aufmacher (Symbolbild): Racks Amravati Data Center von PiDatacenters, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons. Symbolbild, nicht aufgenommen in Deutschland.
- Inline (Symbolbild): Datacenter Server Racks von Carl Lender, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.