Tesla will die Produktion des Cybertruck in der Gigafactory Texas rund um die Mitte des Jahres 2027 auslaufen lassen. Das kündigte Konzernchef Elon Musk am Donnerstagabend (Ortszeit) auf seiner Plattform X an. Der Platz in der Fabrik bei Austin soll frei werden für eine größere Fertigung des autonomen Robotaxis Cybercab. Für den eckigen Pick-up endet damit knapp dreieinhalb Jahre nach den ersten Auslieferungen eine Ära – und für Tesla eines der prominentesten Modellexperimente der jüngeren Firmengeschichte.

Musks Ankündigung ist vergleichsweise knapp. Wörtlich schrieb er, Tesla werde die Produktion des Cybertruck in der Gigafactory Texas „um die Mitte des nächsten Jahres herum“ zurückfahren, um Platz für eine höhere Cybercab-Produktion zu schaffen. In einer Antwort auf einen Nutzerbeitrag ergänzte er, der Cybertruck sei das „beste Fahrzeug, das Tesla je gebaut hat“, und sprach vom „Ende einer Ära“. Eine förmliche Pressemitteilung des Konzerns liegt bislang nicht vor.

Nur die Texas-Linie – oder das ganze Modell?

Offen bleibt in der Ankündigung ein entscheidender Punkt: Ob Tesla den Cybertruck als Modell komplett einstellt oder die Fertigung in einen anderen Standort verlagert, hat Musk bisher nicht gesagt. US-Medien wie CNBC und die Washington Post weisen darauf hin, dass die Gigafactory Texas bisher die einzige bekannte Tesla-Fabrik ist, die für die besonderen Fertigungsschritte des Trucks – darunter die kalt gewalzte Edelstahl-Karosserie und das zugehörige Werkzeug – eingerichtet ist. Ein Umzug der Linie wäre entsprechend aufwendig. Zusammen mit dem Hinweis, dass die Kapazität für das Cybercab gebraucht wird, legt das nahe, dass die Produktion zumindest vorerst wirklich endet und nicht nur umzieht. Belastbar bestätigt ist das aber nicht.

Gleichzeitig zeichnen die Zahlen ein klares Bild. Auf X-Post-Höhe hatte Musk den Cybertruck 2019 mit einem jährlichen Produktionsziel von 250.000 Einheiten angekündigt. Davon ist der Pick-up weit entfernt geblieben: Branchenbeobachter wie Electrek beziffern die aktuellen Verkaufszahlen auf rund 30.000 Fahrzeuge pro Jahr – nur etwa zwölf Prozent der ursprünglich geplanten Kapazität. Die Washington Post spricht von „sluggish sales“ und mehreren Rückrufen, die das Modell seit dem Marktstart Ende 2023 begleitet haben. Ein tragfähiges Geschäft hat sich daraus nach Einschätzung der Fachpresse nicht entwickelt.

Gebäude 1 der Tesla Gigafactory Texas bei Austin, Juni 2022

Bild: Tesla Gigafactory Texas, Juni 2022. Foto: Larry D. Moore, Lizenz CC BY 4.0, via Wikimedia Commons.

Was Cybercab mit der Entscheidung zu tun hat

Das Cybercab ist Teslas Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale, das Musk im Oktober 2024 auf dem „We, Robot“-Event vorgestellt hatte. Es soll vollautonom fahren und wurde von Tesla als Zweisitzer gezeigt. Ein konkretes Produktionsdatum war von Tesla zuletzt für 2026 anvisiert worden. Die aktuelle Mitteilung legt nahe, dass das Hochfahren der Cybercab-Fertigung nun real am Standort Austin passiert – und zwar auf der Linie, die bisher den Cybertruck baut.

Dass Tesla einen Modellplatz räumt, um autonome Fahrzeuge zu bauen, passt zu Musks strategischer Erzählung der vergangenen zwei Jahre: Die Zukunft des Konzerns liegt nach eigener Lesart in Robotik, KI und einem Netz autonomer Robotaxis. Für diese Erzählung brauchte Tesla das Cybercab – und offenbar auch die Kapazität, um es tatsächlich in Stückzahlen zu bauen. Fachmedien verweisen gleichzeitig darauf, dass die Gigafactory Texas eigentlich sehr viel Fläche hat; der ökonomische Grund für das Produktionsende dürfte also weniger im knappen Platz liegen als in den schwachen Cybertruck-Zahlen und den entsprechenden Fixkosten pro verkauftem Fahrzeug.

Einordnung: Drittes eingestelltes Tesla-Modell

Der Cybertruck ist nach übereinstimmenden Berichten (unter anderem Washington Post, Electrek, CNBC) das dritte Tesla-Modell, dessen Produktion in jüngerer Vergangenheit auslaufen soll. Der Konzern hatte zuletzt bereits den Verbrauch an klassischen Fahrzeugmodellen zugunsten der KI- und Autonomie-Strategie reduziert. Das kommerzielle Scheitern des Trucks – gemessen an den ursprünglichen Zielen – bekommt vor diesem Hintergrund zusätzliche Wucht: Musk hatte den Cybertruck jahrelang als das Fahrzeug präsentiert, das Teslas Zukunft definieren sollte.

Für Besitzer eines Cybertruck ändert sich mit dem Produktionsende kurzfristig nichts. Die bereits gebauten Fahrzeuge – Electrek spricht von rund 70.000 insgesamt ausgelieferten Einheiten – bleiben auf der Straße, Software-Updates, Service und Garantien laufen weiter. Für Interessenten, die noch einen Neuwagen kaufen wollen, wird das Zeitfenster dagegen enger. Wer in der EU auf einen offiziellen Cybertruck-Marktstart gewartet hat, sollte die Hoffnung endgültig begraben: Eine europäische Zulassung des Edelstahl-Trucks ist nie erfolgt, und mit dem absehbaren Produktionsende dürfte sie auch nicht mehr kommen.

Was bleibt unklar

Weil Musks Ankündigung auf X nur wenige Sätze lang war, sind einige Fragen offen. Unter anderem: Wie viele Mitarbeiter sind an der Cybertruck-Linie in Austin direkt betroffen? Wird Tesla Restlagerbestände noch weiter verkaufen, auch nach dem Mitte-2027-Stopp? Gibt es eine Nachfolge-Plattform – etwa einen kleineren, günstigeren Pick-up – oder zieht sich Tesla aus dem Truck-Segment vorerst zurück? All das hat der Konzern bisher nicht beantwortet. Belastbar ist nur, dass die Produktion in Austin Mitte 2027 enden soll und dass die Fläche dem Cybercab gehört. Alles Weitere wird sich in den kommenden Quartalsberichten und Investor-Days zeigen müssen.

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