In der öffentlichen Datenbank von Geekbench sind in den vergangenen Wochen mehrere mutmaßliche Engineering-Samples von AMDs kommender Laptop-Plattform „Medusa Point“ aufgetaucht. Die Samples zeigen drei Kern-Varianten: 6, 8 und 10 Kerne. Alle laufen in Lenovo-Testgeräten und tragen OPN-Codes der Reihe 100-000001xxx bzw. 100-000002xxx. Offiziell angekündigt hat AMD bislang nichts; die Daten müssen entsprechend als Leaks eingeordnet werden – mit allen Unsicherheiten, die dazugehören.

Die Entdeckung geht auf den X-Account @9550pro zurück und wurde von ComputerBase am 7. November 2026 zusammengefasst. Die Einträge in Geekbench 7 zeigen für die 10-Kern-Variante (OPN 100-000001713-32_Y bzw. 100-000002192-30_Y) einen Single-Core-Wert von rund 3.100 Punkten und einen Multi-Core-Wert um 18.300 Punkte. Die 8-Kern-Variante liegt bei etwa 2.913 zu 15.075 Punkten, die 6-Kern-Variante bei 2.651 zu 10.670 Punkten. Als Basistakt wird bei allen Samples 2,0 GHz ausgelesen. Da es sich um Vorserien-Chips handelt, sind sowohl die Taktraten als auch die Cache-Konfiguration vermutlich noch nicht final.

Zen 6 und eine neue Cluster-Aufteilung

Interessanter als die reinen Benchmark-Zahlen sind die Konfigurationsdetails. Die 10-Kern-Variante soll laut Auslesung aus zwei Cluster-Blöcken bestehen (4+6), die 8-Kern-Variante aus 2+6, die 6-Kern-Variante aus 1+5. ComputerBase spekuliert allerdings, dass dahinter in Wahrheit drei Cluster stecken könnten – zum Beispiel eine Aufteilung in 4+4+2 für die 10-Kern-Konfiguration, in 2+4+2 für das 8-Kern-Modell und in 1+3+2 für den 6-Kerner. Hinweise dafür liefert unter anderem der untypische L3-Cache: 16 MByte bei zehn Kernen, 8 MByte bei acht, 4 MByte bei sechs Kernen. Frühere Samples, die bereits im Frühjahr aufgetaucht waren, zeigten noch 32 MByte L3 und 2,4 GHz Basistakt – was dafür spricht, dass AMD die Konfiguration bis zum Marktstart nochmals anpassen könnte.

Als Architektur wird in den Einträgen Zen 6 genannt. Bereits gesichert ist nach bisheriger AMD-Roadmap-Kommunikation, dass Medusa Point die Nachfolge-Plattform für die aktuelle Krackan/Strix-Point-Generation (Ryzen AI 300) wird. Als iGPU führen die Einträge eine Grafikeinheit vom Typ GFX1170 auf, die auf einer RDNA-4m-Variante basieren soll – also einer abgespeckten RDNA-4-Ausprägung gegenüber der vollständigen Desktop-GPU-Architektur (GFX12xx). Belastbare Angaben zu Leistung oder Shader-Anzahl der iGPU liegen bislang nicht vor.

AMD Ryzen 5 9600X auf Zen-5-Basis in Nahaufnahme

Symbolbild: AMD Ryzen 5 9600X (Zen 5, Granite Ridge). Foto: FritzchensFritz, Lizenz CC0, via Wikimedia Commons. Nicht Medusa Point – AMD hat die neue Generation offiziell noch nicht gezeigt.

Was die Benchmarks (noch) nicht sagen

Wichtig ist, die Werte einzuordnen. Engineering-Samples sind Vorserien-Chips, die AMD an OEM-Partner wie Lenovo verteilt, damit diese ihre Mainboards, BIOS-Versionen und Kühllösungen anpassen können. Die Taktraten sind in dieser Phase in der Regel konservativ gesetzt, Energiespar-Features oft noch nicht aktiv, Compiler und Microcode noch im Fluss. Ein Geekbench-7-Ergebnis von 3.100 Punkten Single-Core für ein Sample mit 2,0 GHz Basistakt ist deshalb ein Hinweis, aber kein verlässlicher Leistungswert.

Zum Vergleich: AMDs aktuelle Spitzen-APU im mobilen Segment, der Ryzen AI 9 HX 370 auf Zen-5-Basis, erreicht in Geekbench 7 je nach Gerät Single-Core-Werte um 2.800 bis 3.000 Punkte und Multi-Core-Werte um 15.000. Die geleakten Medusa-Point-Samples liegen also schon in Vorseriengenauigkeit grob auf Augenhöhe – und das vor den finalen Optimierungen. Sollte AMD die Taktraten im Auslieferungszustand noch deutlich anheben, wäre ein spürbarer Sprung gegenüber der Vorgängerreihe realistisch. Belastbar prognostizieren lässt sich das aus den Leaks aber nicht.

Marktstart: CES 2027?

Für den Marktstart kursiert in der Berichterstattung eine Vorstellung während der CES Anfang Januar 2027. ComputerBase bezeichnet das als „denkbar“, nicht als bestätigt – AMD stellt dort regelmäßig neue Mobilplattformen vor und hätte dann ausreichend Zeit, die OEM-Geräte mit der neuen Generation für das Frühjahrs- und Sommergeschäft 2027 auszurollen. Als Vermarktungsname gilt die Fortführung des „Ryzen AI 400“-Schemas aus der aktuellen Generation; die Medusa-Point-Modelle würden entsprechend als Ryzen AI 500 firmieren. Auch das ist bislang spekulativ.

Wer in den kommenden Monaten einen neuen Laptop kaufen möchte, sollte diese Hinweise mitnehmen. Die aktuelle Krackan-/Strix-Point-Generation bleibt leistungsfähig und ist breit verfügbar; ein Warten auf Medusa Point lohnt sich nur, wenn der vermutete CES-Termin eingehalten wird und erste Geräte tatsächlich im ersten Quartal 2027 in den Handel kommen. Konkrete Verfügbarkeitszusagen gibt es bisher nicht – und bei Vorserien-Geekbench-Leaks ist die Gefahr groß, dass sich Konfigurationen oder Namen vor dem Marktstart noch verschieben.

Was gesichert ist – und was nicht

Gesichert ist: Es existieren mehrere Geekbench-Einträge mit OPN-Codes, die zu AMD-Vorserienchips passen, und sie tauchen in Lenovo-Testgeräten auf. Nicht gesichert sind die finalen Kern-Konfigurationen, der endgültige Cache-Ausbau, die Zieltaktraten und der genaue Marktstart. Auch, ob die als „RDNA 4m“ bezeichnete iGPU tatsächlich eine abgespeckte RDNA-4-Variante ist oder nur eine abweichende Softwarekennung, lässt sich aus den Benchmark-Daten allein nicht belegen. Der nächste belastbare Schritt wäre eine offizielle AMD-Ankündigung – oder zumindest Produktfotos der ersten OEM-Geräte.

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