Europa hat seit dem 6. November 2026 ein neues Paar Augen im Orbit. Die ESA und EUMETSAT haben die ersten offiziellen Aufnahmen des Meteosat-Satelliten MTG-I2 veröffentlicht – gut zwei Monate nach dessen Start. Die Bilder sind keine Betriebsdaten, sondern zeigen, was der Satellit im Prinzip leisten kann. Der reguläre Dienst beginnt erst nach weiteren Tests, planmäßig im zweiten Quartal 2027.
Für die europäische Wettervorhersage ist MTG-I2 trotzdem ein wichtiger Schritt. Mit der Meteosat Third Generation (MTG) wechselt EUMETSAT auf eine neue Satelliten-Architektur, die in mehreren Punkten deutlich leistungsfähiger ist als die Vorgänger. Das zeigen die jetzt veröffentlichten Aufnahmen praktisch – und nicht nur als Konzeptpapier.
Was der erste Bildsatz zeigt
Als Hauptinstrument an Bord von MTG-I2 arbeitet der Flexible Combined Imager (FCI). Das Gerät kann in verschiedenen Scan-Modi betrieben werden; auf MTG-I2 wird es im Rapid-Scan-Modus für Europa genutzt. Die jetzt gezeigten Aufnahmen umfassen zum einen ein Vollbild der von Europa aus sichtbaren Erdhalbkugel vom 20. Oktober 2026, 10:45 UTC – mit detaillierten Wolkenformationen über dem Nordatlantik und wolkenfreiem Blick auf die Sahara. Zum anderen hat EUMETSAT eine Animation veröffentlicht, die im Rapid-Scan-Modus entstanden ist: über 45 Stunden ab dem 3. November 2026 liefert sie alle 2,5 Minuten einen neuen Scan von Europa und Nordafrika.
In dieser Sequenz sind mehrere Phänomene zu sehen, die genau die Stärken des neuen Satelliten demonstrieren sollen: Nebel und tiefe Wolken über Mitteleuropa, hochreichende konvektive Zellen über dem Mittelmeer, Wolken in unterschiedlichen Höhen über dem Atlantik, die sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen – und eine Rauchfahne eines Waldbrands in Zentralportugal vom 3. November. Letzteres macht anschaulich, wie fein die zeitliche Auflösung ist: In Zehn-Minuten-Scans, wie sie der Vorgänger lieferte, würde eine solche Rauchfahne deutlich grober erfasst.

Bild: Künstlerische Darstellung eines MTG-I-Satelliten (vorn) und eines MTG-S-Satelliten. Foto: ESA/Mlabspace, CC BY-SA 3.0 IGO, via Wikimedia Commons.
Die Architektur hinter MTG
MTG ist nicht ein Satellit, sondern ein System aus mehreren Spezialplattformen. Insgesamt sind sechs Satelliten vorgesehen: vier Imaging-Plattformen (MTG-I) und zwei Sounding-Plattformen (MTG-S). Die beiden Gattungen teilen sich die Arbeit. MTG-I-Satelliten liefern Bilder im sichtbaren und infraroten Spektrum sowie Daten eines Lightning Imagers; MTG-S-Satelliten konzentrieren sich auf Infrarot-Sondierungen und tragen zusätzlich das Copernicus-Sentinel-4-Instrument für Atmosphärenmessungen.
Im Endausbau sollen zwei MTG-I-Satelliten parallel fliegen: einer scannt alle zehn Minuten die vollständige Erdscheibe (Europa, Afrika und angrenzende Ozeane), der andere im Rapid-Scan-Modus nur Europa – dann allerdings alle 2,5 Minuten. Genau diese Rolle übernimmt MTG-I2. Der erste Satellit der Serie (MTG-I1, als Meteosat-12 im Betrieb) bleibt für den Full-Disc-Scan zuständig. Die kombinierte Arbeitsteilung ist der zentrale Vorteil der Architektur: Für Mitteleuropa gibt es damit so häufige Aufnahmen wie nie zuvor von einem geostationären Satelliten aus.
Was das für Wettervorhersagen bedeutet
Für operationelle Wetterwarnungen ist die Aktualisierungsfrequenz oft wichtiger als die räumliche Auflösung. Schwere Gewitter, Sturmböen oder Starkregenzellen entwickeln sich teils innerhalb weniger Minuten. Bei einem Scan alle zehn Minuten bleibt wenig Vorlauf, um Warnungen zu aktualisieren; alle 2,5 Minuten ist aus operativer Sicht ein deutlicher Unterschied. EUMETSAT-Generaldirektor Phil Evans hat das in der Mitteilung so formuliert, dass MTG-I2 zeige, was Rapid Scanning möglich mache – eine zeitnähere Sicht auf sich schnell entwickelndes Wetter über Europa.
Für dich als Nutzer von Wetter-Apps oder Unwetterwarnungen heißt das: Die Rohdaten, auf denen die Prognosen aufbauen, werden nach dem operativen Start deutlich häufiger erneuert. Die Modelle, die beispielsweise beim Deutschen Wetterdienst, bei Météo-France oder dem britischen Met Office laufen, können damit kurzfristige Entwicklungen schneller einarbeiten. Sichtbar wird das zunächst vor allem bei Warnungen vor Gewittern und bei Nowcasting-Diensten, die Aussagen für die nächsten zwei bis sechs Stunden treffen.
Der Weg bis zum regulären Betrieb
MTG-I2 wurde am 27. August 2026 gestartet und am 9. September von der EUMETSAT-Missionskontrolle übernommen. Seitdem laufen Kalibrierung und Validierung in Zusammenarbeit zwischen ESA und europäischer Industrie. Erste Bilder, wie sie jetzt veröffentlicht wurden, sind ein typischer Zwischenschritt: Sie zeigen, dass die Instrumente grundsätzlich funktionieren, bevor die Datenqualität feinjustiert wird. Für die Nutzung in operationellen Vorhersagen muss aber noch jede spektrale Kanal einzeln gegen Referenzmessungen abgeglichen werden, bevor Wetterdienste die Daten direkt verwenden können. Deshalb beginnt der reguläre Dienst erst im zweiten Quartal 2027.
Die MTG-Mission selbst ist auf viele Jahre angelegt. Insgesamt soll die Serie mindestens bis in die 2040er Jahre Daten liefern. Bereits ab 2033 ist geplant, mit der Entwicklung einer zweiten Generation von MTG-Nachfolgern zu beginnen, damit die Beobachtungskontinuität auch danach erhalten bleibt – ein wichtiger Aspekt, weil Klimadatenreihen davon abhängen, dass ohne Lücken weitergemessen wird.
Einordnung
Die jetzt gezeigten Bilder sind weder ein operationeller Durchbruch noch nur PR. Sie sind ein Zwischenstand, der zeigt, dass die neue Satellitengeneration das leistet, was in den vergangenen Jahren versprochen wurde. Entscheidend wird jetzt, wie gut die Instrumente sich in den kommenden Monaten kalibrieren lassen und wie zuverlässig der 2,5-Minuten-Rhythmus im Dauerbetrieb gehalten wird. Dass eine Rauchfahne über Portugal und Wolkenformationen über dem Atlantik in dieser zeitlichen Dichte sichtbar werden, ist für europäische Wetterdienste ein Ausblick – und erklärt, warum die ESA den Namen „Weather and Climate Monitoring" so betont.
Quellen
- ESA: MTG-I2 weather satellite delivers first images (06.11.2026)
- Phys.org: MTG-I2 satellite delivers remarkable first images (06.11.2026)
- EUMETSAT: MTG-I2 first images (06.11.2026)
Bildnachweis
- Aufmacher: Meteosat Third Generation von European Space Agency, Lizenz CC BY-SA 3.0 IGO, via Wikimedia Commons
- Inline: Meteosat Third Generation weather satellites von ESA/Mlabspace, Lizenz CC BY-SA 3.0 IGO, via Wikimedia Commons