OpenAI hat offenbar weitere 11 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Das berichteten Bloomberg und Reuters am 6. November 2026 unabhängig voneinander. Die Finanzierungsrunde bewertet den ChatGPT-Anbieter demnach mit 1,25 Billionen Dollar. Beide stützen sich auf Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind; eine offizielle Bestätigung von OpenAI lag bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht vor. Wofür OpenAI Kapital in dieser Größenordnung braucht, ist dagegen bekannt: für Chips, Rechenzentren und den Strom, der beides betreibt.

Erste Tranche einer größeren Runde, kleiner als geplant

Laut Reuters hat OpenAI die 11 Milliarden Dollar als ersten Teil einer größeren Runde abgeschlossen. Der Betrag entspreche nur einem Teil des ursprünglichen Ziels von bis zu 30 Milliarden Dollar, berichtet die Agentur unter Berufung auf zwei Investoren. Auch bei der Bewertung musste OpenAI demnach Abstriche machen: Angestrebt waren zunächst 1,5 Billionen Dollar. Bloomberg hatte Ende September 2026 von einem Ziel von 30 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 1,4 Billionen Dollar berichtet. Als Geldgeber der aktuellen Tranche nennt Reuters den japanischen Konzern SoftBank und den Investor MGX aus Abu Dhabi.

Nach dem Bloomberg-Bericht, den unter anderem TechCrunch zusammenfasst, ist die Runde noch nicht abgeschlossen. Abgeschlossen werden soll sie innerhalb weniger Wochen nach dem Bericht vom 6. November; insgesamt könnte sie etwa 20 Milliarden Dollar erreichen. Diese Zahl stammt allerdings von einer einzelnen Quelle. Offen bleibt, ob die 1,25 Billionen Dollar vor oder nach dem Zufluss des neuen Geldes gerechnet sind; die Berichte sagen dazu nichts. TechCrunch hat OpenAI um eine Stellungnahme gebeten, eine Antwort wurde zunächst nicht veröffentlicht.

Von 300 Milliarden auf 1,25 Billionen Dollar in 19 Monaten

Die Bewertungssprünge der vergangenen Monate zeigen, wie schnell Kapital in das Unternehmen geflossen ist. Ende März 2025 sammelte OpenAI unter Führung von SoftBank 40 Milliarden Dollar ein, bei einer Bewertung von 300 Milliarden Dollar einschließlich des neuen Geldes. Anfang Oktober 2025 verkauften aktuelle und ehemalige Beschäftigte Anteile im Wert von rund 6,6 Milliarden Dollar an Investoren wie SoftBank, Thrive Capital und MGX. Der Preis entsprach laut Reuters einer Bewertung von 500 Milliarden Dollar. Das Unternehmen selbst bekam dabei kein frisches Kapital, es war ein Verkauf bestehender Anteile.

Ende März 2026 folgte die bislang größte Runde: 122 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar. Den größten Teil trugen laut Bloomberg drei Konzerne – Amazon mit 50 Milliarden Dollar, von denen 35 Milliarden an einen Börsengang oder einen technischen Meilenstein geknüpft sind, sowie Nvidia und SoftBank mit je 30 Milliarden Dollar. Gemessen daran liegt die neue Bewertung rund 47 Prozent höher. Dass sie trotzdem unter den eigenen Erwartungen bleibt, fällt in eine Phase, in der sich die Stimmung gegenüber KI-Unternehmen laut Reuters in den Wochen vor dem 6. November abgekühlt hat. TechCrunch verweist zusätzlich auf die Unruhe nach den US-Zwischenwahlen und die verbreitete Ablehnung neuer Rechenzentren. Einen zunächst für 2026 angedeuteten Börsengang hat OpenAI verschoben; erwartet wird er nun im Laufe des Jahres 2027.

Wofür OpenAI das Geld braucht: Gigawatt an Rechenleistung

Schon bei der März-Runde nannten Berichte den Zweck des Geldes: KI-Chips, den Ausbau von Rechenzentren und Personal. Wie stark der Bedarf wächst, zeigen OpenAIs eigene Zahlen. Nach Angaben von Finanzchefin Sarah Friar vom Januar 2026 verfügte das Unternehmen 2023 über rund 0,2 Gigawatt Rechenzentrumskapazität, 2024 über 0,6 Gigawatt und Ende 2025 über etwa 1,9 Gigawatt. Gezählt wird also in elektrischer Leistung – ein deutlicher Hinweis darauf, dass Strom und Netzanschluss beim Ausbau zur entscheidenden Größe geworden sind.

Ende April 2026 meldete OpenAI, das Ziel von 10 Gigawatt KI-Rechenkapazität in den USA erreicht zu haben, Jahre vor dem ursprünglich angepeilten Jahr 2029. Bloomberg präzisierte, dass es sich um unterzeichnete Verträge handelt; wie viel davon bereits in Betrieb ist, ließ OpenAI offen. Drei der zehn Gigawatt kamen nach Unternehmensangaben in den 90 Tagen vor der Mitteilung hinzu, darunter 2 Gigawatt von Amazon. Laut CNBC hat OpenAI Investoren im Februar 2026 mitgeteilt, bis 2030 insgesamt rund 600 Milliarden Dollar für Rechenleistung ausgeben zu wollen. Gemessen daran sind selbst 20 Milliarden Dollar frisches Kapital nur ein Baustein.

Nvidia, AMD, Broadcom, Cerebras: die Chip-Zusagen

Auf der Hardwareseite hat sich OpenAI bei mehreren Herstellern zugleich eingedeckt. Im September 2025 kündigten Nvidia und OpenAI eine Absichtserklärung an: Nvidia sollte bis zu 100 Milliarden Dollar investieren, um mindestens 10 Gigawatt an Nvidia-Systemen zu ermöglichen; die erste Stufe auf Basis der Plattform Vera Rubin war für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen. Nvidia stellte später klar, es gebe keine Gewähr, dass daraus ein verbindlicher Vertrag wird. In der März-Runde 2026 beteiligte sich Nvidia dann mit 30 Milliarden Dollar direkt an OpenAI.

Nvidia-HGX-B200-Platine mit acht GPUs unter großen Kühlkörpern (Symbolbild)

Bild: Symbolbild – eine HGX-B200-Platine von Nvidia mit acht GPUs. Foto: Pokiiri / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Mit AMD vereinbarte OpenAI im Oktober 2025 Instinct-GPUs mit insgesamt 6 Gigawatt über mehrere Chipgenerationen. Die erste Tranche von einem Gigawatt mit dem MI450 ist für das zweite Halbjahr 2026 angesetzt. Im Gegenzug erhielt OpenAI Optionsscheine auf bis zu 160 Millionen AMD-Aktien zu je einem Cent, die nur schrittweise mit dem Ausbau und beim Erreichen bestimmter Kursziele ausübbar werden. Mit Broadcom entwickelt OpenAI eigene KI-Beschleuniger: OpenAI entwirft die Chips, Broadcom übernimmt Entwicklung, Netzwerktechnik auf Ethernet-Basis und Systemintegration. Geplant sind 10 Gigawatt, ausgerollt ab dem zweiten Halbjahr 2026 bis Ende 2029. Hinzu kommt seit Januar 2026 ein Vertrag mit Cerebras über 750 Megawatt, die bis 2028 in mehreren Stufen ans Netz gehen sollen.

All diese Zusagen hängen an Fertigungskapazitäten, die als Engpass gelten – nicht nur bei den Chips selbst, sondern auch beim Advanced Packaging, also dem Zusammensetzen von Rechenchips und Speicher. Belastbare öffentliche Angaben dazu, ob die für das zweite Halbjahr 2026 angekündigten ersten Systeme von AMD und Broadcom bereits laufen, lagen bei Redaktionsschluss nicht vor.

Strom und Akzeptanz als Bremse

Wie eng Kapital und Infrastruktur inzwischen zusammenhängen, zeigt eine Mitteilung von OpenAI vom 5. November 2026, einen Tag vor den Finanzierungsberichten. Bei den US-Wahlen am 3. November hatten Wähler in 41 lokalen Abstimmungen in zehn Bundesstaaten bis auf eine Ausnahme für Beschränkungen von Rechenzentren gestimmt oder Ausbaupläne abgelehnt. OpenAI legte daraufhin einen Katalog von Selbstverpflichtungen vor: Für Rechenzentren, die das Unternehmen besitzt oder betreibt, will es die vollen Stromkosten und den nötigen Netzausbau bezahlen und finanzielle Sicherheiten für den Fall von Verzögerungen oder Abbrüchen hinterlegen. Auf Geheimhaltungsvereinbarungen mit Amtsträgern will OpenAI verzichten, Baupläne und Lärmprognosen sollen vor Baubeginn öffentlich werden. In Phasen hoher Netzlast sollen die Anlagen ihren Verbrauch drosseln. Gesetzgebern empfiehlt OpenAI, solche Regeln für die ganze Branche verbindlich zu machen.

Für OpenAI heißt das: Frisches Kapital fließt nicht nur in Beschleuniger und Server, sondern zunehmend in Kraftwerke, Leitungen und Zugeständnisse an die Standorte. Ob die laufende Runde am Ende die von Bloomberg genannten 20 Milliarden Dollar erreicht, ist noch offen.

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