Google baut sein erstes Rechenzentrum in Wyoming und übernimmt dafür ein Gelände, das der KI-Infrastrukturanbieter Crusoe vorbereitet hat. Am 5. November 2026 kündigte Google eine langfristige Investition von 17 Milliarden US-Dollar im Laramie County bei Cheyenne an. Einen Tag später, am 6. November, teilte Crusoe mit, dass Google den Standort im Südosten Wyomings erworben hat. Damit ist ein Projekt offiziell, das seit Sommer 2025 unter den Namen „Project Jade“ und später „Project Tembo“ geplant wird. Technisch interessant ist vor allem die Stromversorgung: Sie basiert nach den bisherigen Angaben weitgehend auf Erdgas – teils aus Gaskraftwerken, teils aus einer großen Brennstoffzellenanlage mit CO₂-Abscheidung.
Was Crusoe abgibt und was Google übernimmt
Laut der Mitteilung von Crusoe beendet der Verkauf die Rolle des Unternehmens in der Vorentwicklung. Dazu zählten die Auswahl des Grundstücks, die behördlichen Genehmigungen und die Strategie für die Stromversorgung, die Crusoe gemeinsam mit dem Energieunternehmen Tallgrass Energy entwickelt hat. Einen Kaufpreis nennen weder Crusoe noch Google. Crusoe-Chef Chase Lochmiller erklärte, die Vorarbeiten hätten das Projekt für Bau und Betrieb vorbereitet. Sein Unternehmen verfüge über mehr als 6 Gigawatt vertraglich gebundene Kapazität und über 40 Gigawatt in der Projektpipeline – das sind Angaben des Unternehmens.
Wichtig für die Einordnung der 17 Milliarden Dollar: Google spricht von der eigenen, langfristigen Investition. Die Partner investieren zusätzlich – etwa der Versorger Black Hills in neue Gaskraftwerke und der Energiekonzern AEP in eine Brennstoffzellenanlage. In Googles Ankündigung, einem Blogbeitrag von Steve Walter, Vice President für globale Infrastruktur und Energie, kommt Crusoe nicht vor. Als Partner nennt Google Tallgrass Energy, Black Hills Energy, American Electric Power (AEP) und Related Digital; dessen Rolle beschreibt Google nicht näher.
Ganz neu ist die Übergabe nicht. Im Juni 2026 hatte Crusoe die Arbeiten am Standort pausiert – auf Wunsch eines Kunden, wie das Unternehmen damals mitteilte. Bloomberg berichtete unter Berufung auf Insider, Google habe Bedenken wegen Kosten und Bauzeit geäußert. Anfang Juli 2026 berichtete die Lokalzeitung Cowboy State Daily auf Grundlage eines Ende Juni eingereichten, geänderten Lageplans, dass Google hinter dem Projekt steht. Gebaut wird es demnach von der hundertprozentigen Google-Tochter Jupiter Star Holdings, der Name lautet seitdem Project Tembo.
2,7 Gigawatt Ressourcen, Strom ab Ende 2027
Crusoe und Tallgrass hatten den Campus im Juli 2025 mit 1,8 Gigawatt angekündigt, ausbaufähig auf bis zu 10 Gigawatt. Als das Laramie County die Pläne Anfang Januar 2026 einstimmig genehmigte, war von bis zu 2,7 Gigawatt und fünf Gebäuden mit jeweils bis zu 800.000 Quadratfuß (rund 74.000 Quadratmeter) die Rede. Der geänderte Plan für Google sieht laut Cowboy State Daily vier Rechenzentrumshallen, ein Bürogebäude sowie Logistik- und Netzwerkgebäude auf einem rund 290 Hektar großen Areal etwa acht Meilen (rund 13 Kilometer) südlich von Cheyenne vor; die Fertigstellung ist für 2031 geplant.
Konkreter sind die Angaben des Versorgers Black Hills, der seine Verträge mit Google am 6. Oktober 2026 vorgestellt hat. Demnach soll das Rechenzentrum ab Ende 2027 Strom beziehen und 2030 seine Spitzenlast erreichen. Insgesamt sollen 2,7 Gigawatt an Erzeugungsressourcen bereitstehen, Reserven eingerechnet. Black Hills liefert bis zu 590 Megawatt über das Netz, wofür das Unternehmen zwischen 2027 und 2029 rund 1,8 Milliarden Dollar in 564 Megawatt neuer Gaskraftwerke am Standort Cheyenne Prairie Generating Station investieren will. Weitere rund 2,1 Gigawatt von Drittanbietern in Wyoming soll Black Hills über ein privat betriebenes Microgrid steuern. Google hat für Komponenten mit langen Lieferzeiten 399 Millionen Dollar vorgestreckt. Die Verträge laufen bis 2048 und sind laut Black Hills so aufgebaut, dass Google sämtliche Kosten für die Versorgung trägt.
Die Gigawatt-Angaben beschreiben die Stromversorgung, nicht die Rechenleistung. Wie viel elektrische Leistung tatsächlich bei Servern und Beschleunigern ankommt, hat Google nicht veröffentlicht. Das Fachmedium Data Center Frontier weist zudem darauf hin, dass sich die Zahlen von AEP, Black Hills und Tallgrass nicht einfach addieren lassen, weil sich die Projekte überschneiden könnten.
Erdgas, Brennstoffzellen und CO₂-Speicher
Herzstück ist ein Brennstoffzellenprojekt mit 702 Megawatt, das AEP für Google errichtet. Nach Googles Angaben ist es das größte geplante Vorhaben dieser Art. Brennstoffzellen von Bloom Energy wandeln dabei Erdgas elektrochemisch, also ohne Verbrennung, in Strom um. Das entstehende CO₂ soll zum weitaus größten Teil abgeschieden und im nahe gelegenen Eastern Wyoming Sequestration Hub von Tallgrass dauerhaft unterirdisch gespeichert werden. Eine konkrete Abscheiderate nennt Google nicht. Mit dem Projekt steigt die von Google vertraglich gebundene Kapazität mit CO₂-Abscheidung nach eigenen Angaben auf knapp 1 Gigawatt.
AEP hatte das Vorhaben am 14. Oktober 2026 vorgestellt: Rund 4 Milliarden Dollar investiert der Konzern über die Projektgesellschaft Cheyenne Fuel Cell, an der er etwa 92 Prozent hält. Google nimmt den gesamten Strom über einen Liefervertrag mit 20 Jahren Laufzeit ab. Baubeginn soll noch 2026 sein, der volle Betrieb ist bis Ende 2028 geplant. Zusätzlich bezieht Google Strom aus Gaskraftwerken von Tallgrass und Black Hills. Ob sich die Kombikraftwerke von Tallgrass ebenfalls mit CO₂-Abscheidung nachrüsten lassen, prüft eine technische Planungsstudie.

Bild: Blick über Cheyenne. Das Rechenzentrum entsteht rund acht Meilen südlich der Stadt. Foto: Vasiliymeshko / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Luftkühlung und die Sorgen der Nachbarn
Das Rechenzentrum soll laut Google luftgekühlt werden, um die Wasserressourcen der Region zu schonen. Wasser war schon bei der Genehmigung der Crusoe-Pläne ein wichtiges Thema. Nach dem im Juni 2026 geänderten Lageplan soll Abwasser auf dem Gelände aufbereitet und in Verdunstungslagunen gespeichert werden, weil ein Anschluss an das städtische Kanalnetz als unwirtschaftlich galt. Wie viel Wasser KI-Rechenzentren je nach Kühlkonzept brauchen, haben wir am Beispiel Deutschlands eingeordnet.
Anwohner der benachbarten Siedlung Hyndman Homesites hatten bei der Genehmigung im Januar 2026 unter anderem tiefe Brunnen nahe dem Ogallala-Aquifer, Verkehr, Lärm, Licht und Abwasserbecken kritisiert, wie Inside Climate News berichtete. Greenpeace USA argumentierte im selben Bericht, CO₂-Abscheidung erhöhe die Emissionen unterm Strich oft sogar, weil sie selbst viel Energie benötige. Google verspricht, 100 Prozent des verbrauchten Stroms selbst zu bezahlen und den durch das eigene Wachstum ausgelösten Infrastrukturbedarf zu decken. Das Unternehmen erwartet Grundsteuereinnahmen in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar für das Laramie County und den Schulbezirk School District 1. Bei einem Bürgertreffen in Cheyenne habe man mit mehr als 200 Einwohnern gesprochen; gemeinsam mit den Partnern soll ein Gremium („Community Council“) Lösungen für die Folgen des Wachstums in Cheyenne erarbeiten. Die Ankündigung fiel in eine Woche, in der Wähler bei 41 lokalen Abstimmungen in zehn US-Bundesstaaten am 3. November bis auf eine Ausnahme für Beschränkungen von Rechenzentren gestimmt oder Ausbaupläne abgelehnt hatten.
Crusoe: Wind in Texas, Stargate in Abilene
Die Zusammenarbeit mit Google ist für Crusoe damit nicht beendet. Ende September 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass es Googles Rechenzentrumscampus im Armstrong County bei Amarillo in Texas entwickelt. Dort ist der Campus direkt an den Windpark Goodnight 1 mit 265,5 Megawatt angeschlossen, ein zweiter Windpark gleicher Größe ist im Bau. Gekühlt wird dort mit einem geschlossenen Flüssigkeitskreislauf ohne Verdunstung. Außerdem entwickelt Crusoe den Campus in Abilene, Texas, den Hauptstandort des Stargate-Projekts von OpenAI und Oracle. In Wyoming geht die Arbeit nun ohne den Projektentwickler weiter, der den Standort aufgebaut hat.
Quellen
- Google (Herstellerangabe): Investing in Wyoming’s infrastructure, energy and workforce (5.11.2026)
- Crusoe (Herstellerangabe): Crusoe Announces Wyoming Data Center Campus Update (6.11.2026)
- Black Hills Corp. (SEC-Filing, Pressemitteilung): Black Hills Corp. Executes Definitive Agreements to Serve Google’s Planned Data Center in Cheyenne, Wyoming (6.10.2026)
- POWER Magazine: AEP Plans $4 Billion Fuel Cell Power Plant for Google (15.10.2026)
- Data Center Frontier: AEP, Google Advance $4 Billion Fuel-Cell Project to Power Cheyenne Data Centers (4.11.2026)
- Cowboy State Daily: Say Hello To Google, The Mystery Owner Behind Wyoming’s Largest Data Center Project (8.7.2026)
- Cowboy State Daily: Huge Cheyenne Data Center Grows To 2.7 Gigawatts (8.1.2026)
- Inside Climate News: Wyoming County Approves Construction of What Could Become the Largest Data Center in US (14.1.2026)
- Bloomberg: Crusoe Touts 5 Gigawatts of Data Centers, Pauses Wyoming Site (9.6.2026)
- TechRadar: Crusoe claimed it „paused“ a plan to build a Wyoming data center (12.6.2026, fasst den Bloomberg-Bericht zusammen)
- Crusoe (Herstellerangabe): Crusoe Developing Data Center Campus in Armstrong County, Texas (28.9.2026)
- CNBC: OpenAI pledges to halt NDAs in new data center policy proposal after election rebuke (5.11.2026, zu den Abstimmungen vom 3. November)
Bildnachweis
- Aufmacher: Google-Rechenzentrum in Council Bluffs, Iowa (Symbolbild) von Chad Davis, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
- Inline: Panorama von Cheyenne, Wyoming von Vasiliymeshko, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons