Die französische Rüstungsbehörde Direction générale de l'armement (DGA) hat die neue VTOL-Variante der Airbus-Drohne U010 Aliaca qualifiziert. Das hat Airbus Helicopters am 3. November 2026 mitgeteilt. VTOL steht für Vertical Take-Off and Landing: Die Drohne startet und landet senkrecht und fliegt dazwischen wie ein kleines Flugzeug. Damit kann die französische Marine das System auch auf Schiffen einsetzen, auf denen für Katapult und Fangnetz kein Platz ist. Die ersten zwei Systeme sind laut Airbus im September an die Marine gegangen.

Vom Katapult zum Senkrechtstart

Die Aliaca fliegt bei der Marine schon seit 2022, bislang als reiner Starrflügler. Diese Version startet von einem Katapult und wird nach der Landung in einem Netz aufgefangen – laut einem Bericht von Naval News aus dem Jahr 2021 automatisch, ohne Eingriff der Bediener. Eingesetzt wird sie auf Patrouillenschiffen und Überwachungsfregatten, seit 2023 außerdem von der Küste aus für Such- und Rettungseinsätze im Ärmelkanal.

Für die VTOL-Variante hat Airbus die Drohne mit vier Propellern für Start und Landung ausgerüstet; im Reiseflug arbeitet sie weiter wie ein Flugzeug. Flügel und Rumpf wurden laut Airbus neu gestaltet beziehungsweise angepasst, Kernkomponenten wie Autopilot und Datenverbindung stammen aus der bisherigen Version. Vorgestellt wurde die Variante im April 2025; entwickelt wurde sie nach Herstellerangaben in weniger als einem Jahr.

Den praktischen Nutzen beschreibt Airbus so: Die Vorbereitung vor dem Start dauere nach Angaben der Marine nur wenige Minuten, und die Drohne könne auch bei Seegang starten, bei dem eine sichere Landung im Netz nicht mehr möglich gewesen wäre. Auf kleinen Schiffen soll sie als verlängertes Fernglas über den Radarhorizont hinaus dienen, ohne dass dafür ein Hubschrauber nötig ist. Als Platzbedarf nennt Airbus eine Fläche von fünf mal fünf Metern.

„Die Qualifizierung durch die DGA ist ein wichtiger Meilenstein und spiegelt das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit unserer Technologie wider“, wird Victor Gerin-Roze, bei Airbus Helicopters für unbemannte Luftfahrzeuge zuständig, in der Mitteilung zitiert (Übersetzung der Redaktion).

Sensoren, Antrieb, Ausdauer – laut Hersteller

Alle technischen Angaben stammen von Airbus. Das maximale Abfluggewicht liegt bei 25 Kilogramm, die Spannweite bei rund 3,5 Metern; die Unterlagen nennen mal 3,5, mal 3,6 Meter. Herzstück der Nutzlast ist ein kreiselstabilisierter Sensorturm mit Tageslicht- und Infrarotkamera (EO/IR) und 30-fachem optischem Zoom. Dazu kommt ein Empfänger für das Schiffsidentifikationssystem AIS, der laut einer früheren Airbus-Mitteilung Schiffe in einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern identifizieren kann. Die Nutzlast lässt sich je nach Auftrag tauschen.

Beim Antrieb bietet Airbus zwei Varianten an:

  • Elektrisch: bis zu drei Stunden Flugzeit, 50 Kilometer Reichweite der Datenverbindung, 2 Kilogramm Nutzlast.
  • Hybrid mit Kolbenmotor: bis zu sechs Stunden Flugzeit, 100 Kilometer Reichweite, bis zu 3 Kilogramm Nutzlast; der Motor verträgt die Kraftstoffe JET A1, JP5 und JP8.

Für die VTOL-Version selbst hatte Airbus im Februar 2026 zwei Stunden Flugdauer und 50 Kilometer Reichweite genannt. Welche Antriebsvariante die Marine an Bord nimmt, geht aus den Mitteilungen nicht hervor.

Bedient wird die Drohne von zwei Personen – Pilot und Sensorbediener – oder von einer Person mit geteilter Tablet-Anzeige. Alle Varianten der U010-Familie nutzen dieselbe Bodenkontrollstation und dasselbe Betriebssystem. Das soll laut Airbus die Einarbeitung der Besatzungen erleichtern.

34 Systeme, acht davon mit Senkrechtstart

Das Programm heißt bei der Marine SMDM (Système de mini-drones embarqués pour la Marine). Ende 2020 hatte die DGA bei der Airbus-Tochter Survey Copter elf Systeme mit zusammen 22 Drohnen bestellt, samt Ausbildung und Logistik. Anfang 2024 folgte eine Nachbestellung über 15 Systeme mit 30 Drohnen. Im Februar 2026 kündigte Airbus an, dass die Marine die Aliaca künftig in der VTOL-Konfiguration erhält; die Auslieferung sollte damals im Mai 2026 beginnen. Erprobt wurde die neue Variante laut Airbus im Mai und Juni 2026 an Land und auf See gemeinsam mit der Marine. Die Erprobungsstelle der Marineflieger (CEPA) testete sie zudem von Bord eines BSAM-Unterstützungsschiffs, das ursprünglich nicht für den Drohnenbetrieb ausgelegt war.

Laut der aktuellen Mitteilung hat die DGA insgesamt 34 Systeme mit je zwei Drohnen bestellt; acht davon sollen die VTOL-Variante erhalten. In einem Airbus-Beitrag vom 29. Oktober 2026 hieß es dagegen, 27 Systeme seien bereits an die DGA geliefert, die verbleibenden sieben sollten bis Jahresende folgen – alle in VTOL-Konfiguration. Wie sich die Differenz zwischen sieben und acht Systemen erklärt, lässt Airbus offen.

Weißes Unterstützungsschiff der französischen Marine fährt vor Bergkulisse in einen Hafen ein, daneben ein kleiner Schlepper

Bild: Das Unterstützungs- und Hilfsschiff Champlain (BSAOM) bei der Rückkehr nach Port-des-Galets auf La Réunion, 2020. Schiffe dieses Typs sollen die VTOL-Aliaca erhalten. Foto: Midship07 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Einsatz in Übersee: Indopazifik und Karibik

Die VTOL-Aliaca ist für die Unterstützungs- und Hilfsschiffe der Marine vorgesehen: die BSAM im Mutterland und die BSAOM in Übersee. Deren Heimathäfen liegen laut Airbus in Neukaledonien, Französisch-Polynesien, auf La Réunion und auf Martinique; die Drohnen sollen also vor allem im Indopazifik und in der Karibik fliegen. Nach Berichten von Clubic und Army Recognition sollen zunächst bis Ende 2026 die Schiffe im Mutterland ausgerüstet werden, die Überseeschiffe folgen 2027.

Als Aufgaben nennt Airbus Aufklärung über See und an Land, Grenz- und Küstenüberwachung, den Kampf gegen Schmuggel und illegale Fischerei, Seenotrettung und den Schutz kritischer Infrastruktur. Airbus beschreibt die Aliaca als taktisches Aufklärungssystem; von einer Bewaffnung ist in den Unterlagen keine Rede. Die maximale Flughöhe gibt der Hersteller mit 3000 Metern an, den Einsatztemperaturbereich mit minus 10 bis plus 50 Grad Celsius. Ob sich die Senkrechtstart-Variante im Bordalltag auf den kleineren Schiffen bewährt, wird sich erst im Einsatz zeigen – die Qualifizierung durch die DGA ist die Voraussetzung dafür.

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