Die 500-km/h-Marke galt für Serienautos lange als eine Art Schallmauer – jetzt ist sie gefallen. Der Yangwang U9 Xtreme, ein Elektro-Hypercar der BYD-Luxusmarke Yangwang, hat am 1. November auf einer eigens gesperrten Autobahn in Abu Dhabi 503,17 km/h erreicht. Das teilten BYD und der Automobil-Weltverband FIA am 6. November mit. Dazu kommen nach Angaben beider zwei Titel von Guinness World Records: höchste Geschwindigkeit eines Serienautos und eines Elektro-Serienautos – allerdings jeweils mit dem wichtigen Zusatz „in einer Richtung“.
Am Steuer saß der deutsche Rennfahrer Marc Basseng, der den Wagen schon bei den früheren Rekordfahrten auf dem Testgelände ATP Papenburg im Emsland gefahren hatte. Der neue Wert liegt 6,95 km/h über der bisherigen Bestmarke des U9 Xtreme von 496,22 km/h aus dem September 2025.
Zwei Tage auf der E11 in Abu Dhabi
Schauplatz war die Sheikh Khalifa Bin Zayed International Road (E11) in der Region Al Dhafra. Die Behörden sperrten nach Angaben von BYD und FIA rund zehn Kilometer der Straße, darunter eine sieben Kilometer lange Gerade. Weil die Strecke nahe der Wüste liegt und sonst normalen Verkehr trägt, ließ das Team sie laut BYD vorher kehren und Meter für Meter nach Drahtresten absuchen, die Auto oder Reifen beschädigen könnten.
Der Versuch erstreckte sich über zwei Tage. Bei zwei Fahrten am 31. Oktober kam der Wagen auf höchstens 490 km/h. Über Nacht änderten die Ingenieure laut BYD den Anstellwinkel des Heckflügels, die Zugstufendämpfung und den Reifendruck; electrive nennt zusätzlich angepasste Batterie- und Motortemperaturen sowie Änderungen an der Fahrwerkssoftware. Am 1. November bestätigte ein erster Lauf die Verbesserungen, im zweiten fiel der Rekord.
Was FIA und Guinness tatsächlich bestätigen
Die FIA hat am 6. November auf ihrer Website eine Meldung veröffentlicht, wonach die Geschwindigkeit von ihr anerkannt wurde. Welche Rekordkategorie das betrifft, wer die Zeitnahme übernahm und mit welchem Verfahren gemessen wurde, geht aus der Mitteilung nicht hervor; auch die Pressemitteilung von BYD macht dazu keine Angaben. Eindeutig ist dagegen die Einschränkung bei Guinness: Beide Titel gelten laut BYD ausdrücklich für einen Lauf „in a single-direction run“, also in nur einer Fahrtrichtung.
Das ist mehr als eine Formalie. Klassische Geschwindigkeitsrekorde werden als Mittelwert zweier Fahrten in entgegengesetzter Richtung ermittelt, damit sich Rückenwind und Gefälle herausrechnen. Für Landgeschwindigkeitsrekorde verlangt die FIA laut Guinness zwei solche Läufe innerhalb von 60 Minuten. Nach diesem Prinzip stellte etwa Koenigsegg 2017 mit dem Agera RS seine Serienauto-Marke von 447,19 km/h auf. Ein Wert aus nur einer Richtung ist mit solchen Rekorden nicht direkt vergleichbar.
Ebenso wichtig ist der Zusatz „Serienauto“: Der U9 Xtreme ist das erste Serienfahrzeug über 500 km/h, aber keineswegs das erste Elektroauto. Das Rekordfahrzeug Venturi Buckeye Bullet 3 erreichte schon am 19. September 2016 auf den Bonneville Salt Flats in Utah im Mittel 549,2 km/h über eine fliegende Meile in beiden Richtungen – laut Guinness ein von der FIA anerkannter Rekord. Dabei handelte es sich allerdings um ein reines Rekordfahrzeug ohne Straßenzulassung.

Symbolbild, Serienversion des Yangwang U9 (nicht der U9 Xtreme). Bild: Yangwang U9 von JustAnotherCarDesigner, CC0, via Wikimedia Commons
Technik: 1200 Volt und vier Motoren mit je 555 kW
Die technischen Daten stammen von BYD. Demnach treiben vier Elektromotoren den U9 Xtreme an, jeder mit 555 kW (755 PS) Spitzenleistung und Drehzahlen bis 30.000 Umdrehungen pro Minute. Zusammen kommt der Wagen auf 2220 kW, BYD gibt 3019 PS und ein Leistungsgewicht von 1217 PS pro Tonne an. Das Hochvoltsystem arbeitet mit 1200 Volt statt der 800 Volt des normalen U9 und verkraftet laut Hersteller Ströme bis 1000 Ampere. Die Blade-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) soll eine Entladerate von 30C erlauben und selbst bei 20 Prozent Ladestand noch 1800 kW abgeben; beim Rekuperieren seien mehr als 700 kW möglich.
Ein Torque Vectoring über die vier Motoren passt die Kraftverteilung laut BYD mehr als 100-mal pro Sekunde an, das aktive Fahrwerk DiSus-X soll die Karosserie stabil halten. Für die Rekordfahrt nutzte der Wagen Semi-Slick-Reifen, die BYD gemeinsam mit Giti Tire entwickelt hat; Felge und Reifen sind über eine gerändelte Kontaktfläche und ein zähflüssiges Schmiermittel gegen Verrutschen gesichert. Ob die Kundenfahrzeuge genau diese Reifen bekommen, ist laut Electrek offen. In derselben Spezifikation fuhr der U9 Xtreme laut Yangwang auch die Nordschleife des Nürburgrings in 6:59,157 Minuten.
BYD will vom U9 Xtreme weltweit nur 30 Exemplare bauen. Einige Kunden haben laut Hersteller ihre individuelle Ausstattung bereits festgelegt und gehen in Vertragsabschluss und Produktionsplanung. Einen Preis nennt BYD in der aktuellen Mitteilung nicht; laut CnEVPost wurde die Serienversion auf der Automesse in Peking im April 2026 für mehr als 20 Millionen Yuan angeboten.
Einordnung: Bugatti, Rimac und die Vorgeschichte
Mit 503,17 km/h liegt der U9 Xtreme auch vor der bekanntesten Marke eines Verbrenners: Am 2. August 2019 erreichte Testfahrer Andy Wallace in einem modifizierten Vorserienfahrzeug auf Basis des Bugatti Chiron auf der Teststrecke Ehra-Lessien 490,484 km/h, beglaubigt von SGS-TÜV Saar. Auch diese Fahrt fand nur in einer Richtung statt. Unter den Elektroautos lag die Messlatte vor BYDs Rekordserie deutlich niedriger: Rimac meldete im Juli 2025 für den Nevera R eine Spitzengeschwindigkeit von 431,45 km/h.
BYD hat sich der 500er-Marke schrittweise genähert. Der normale U9 fuhr im Januar 2024 auf dem Flughafen Wuhan-Hannan 309 km/h und im Oktober 2024 in Papenburg 391,94 km/h. Im August 2025 folgten auf derselben Strecke 472,41 km/h mit einer Version, die BYD damals als U9 Track Edition vorstellte und inzwischen dem U9 Xtreme zurechnet, im September 2025 dann 496,22 km/h. Für den Hersteller ist der neue Wert vor allem ein Schaufenster für seine 1200-Volt-Technik. Die Konkurrenz hat bislang nicht nachgelegt: Dem Koenigsegg Jesko Absolut werden theoretisch 500 km/h zugetraut, einen Versuch gab es laut Electrek aber bisher nicht.
Quellen
- FIA: YANGWANG U9 Xtreme surpasses 500 km/h with speed achievement recognised by the FIA (6. November 2026)
- BYD: The fastest gets faster: YANGWANG U9 Xtreme tops 500km/h to set new global speed record in Abu Dhabi (6. November 2026)
- Electrek: BYD's electric hypercar hits 312 mph, first production car over 500 km/h (6. November 2026)
- CnEVPost: BYD Yangwang U9 Xtreme breaches 500 km/h barrier to set new world record for production cars (6. November 2026)
- electrive: BYD's Yangwang U9 Xtreme breaks the 500 km/h barrier (7. November 2026)
- Guinness World Records: Fastest electric car (FIA-approved) (abgerufen am 7. November 2026)
- Bugatti Newsroom: Bugatti breaks the 300 mph barrier (2. September 2019)
- Rimac Newsroom: Rimac Nevera R Becomes New 0-400-0 Champion and Sets 24 Performance Records (9. Juli 2025)
- electrive: 472.41 kph: BYD sets new EV speed record with Yangwang U9 (26. August 2025)
Bildnachweis
- Aufmacher (Symbolbild, Serienversion des Yangwang U9): Yangwang U9 in einer Boxengasse von JustAnotherCarDesigner, CC0, via Wikimedia Commons
- Inline-Bild (Symbolbild, Serienversion des Yangwang U9): Yangwang U9, Heckansicht von JustAnotherCarDesigner, CC0, via Wikimedia Commons