Der Streaming-Spezialist Roku gehört jetzt zu Fox. Die Fox Corporation hat die Übernahme am 6. November abgeschlossen, wie aus Pflichtmitteilungen beider Unternehmen an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Damit kontrolliert der Medienkonzern eine der größten Plattformen für vernetzte Fernseher: Roku erreicht nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Haushalte weltweit. Das US-Justizministerium hatte seine kartellrechtliche Prüfung am selben Tag eingestellt – nachdem Fox Zusagen zur Neutralität der Plattform gemacht hatte.

Angekündigt hatten Fox und Roku den Deal am 15. Juni 2026. Damals bewerteten sie Roku mit einem Unternehmenswert von rund 22 Milliarden US-Dollar und rechneten mit einem Abschluss in der ersten Hälfte des Jahres 2027. Es ging also deutlich schneller als geplant.

Die Eckdaten der Roku-Übernahme

Bei der Ankündigung bot Fox 160 US-Dollar je Roku-Aktie, zusammengesetzt aus 96 US-Dollar in bar und 0,9693 Fox-Aktien der Klasse A. Beim Abschluss erhielten Roku-Aktionäre laut Fox je Aktie 95,30 US-Dollar in bar und 0,9799 Fox-Aktien. Die bisherigen Fox-Aktionäre halten nun rund 74 Prozent des Konzerns, die früheren Roku-Aktionäre rund 26 Prozent. Die Aktionäre beider Unternehmen hatten im Oktober zugestimmt. Roku verschwindet von der Nasdaq: Der Handel ruht laut Roku ab Börsenbeginn am 9. November, das Unternehmen firmiert nun als Roku, LLC und ist eine hundertprozentige Fox-Tochter.

Organisatorisch bündelt Fox seine Digitalgeschäfte in einer neuen Sparte namens Fox Digital Platforms. Dazu gehören Roku, der werbefinanzierte Streamingdienst Tubi, das Abo-Angebot Fox One und Red Seat Ventures. Roku-Gründer Anthony Wood zieht in den Fox-Verwaltungsrat ein und leitet die Sparte gemeinsam mit Paul Cheesbrough, der zugleich ihr CEO wird. Fox erwartet innerhalb von zwei Jahren nach dem Abschluss Kostensynergien von rund 400 Millionen US-Dollar pro Jahr.

Zusagen an das US-Justizministerium

Die Kartellabteilung des US-Justizministeriums (DOJ) hatte von beiden Unternehmen mit sogenannten Second Requests zusätzliche Unterlagen angefordert und damit eine vertiefte Prüfung eingeleitet. Geprüft wurde vor allem, ob Fox die Roku-Plattform nutzen könnte, um konkurrierende Inhalteanbieter zu benachteiligen, und wie sich der Zusammenschluss auf den Wettbewerb unter kostenlosen, werbefinanzierten Streamingdiensten auswirkt. In seiner Erklärung vom 6. November kommt das DOJ zu dem Schluss, dass ein Schaden für den Wettbewerb unwahrscheinlich sei: Roku sei auf ein breites Angebot fremder Inhalte angewiesen und müsse bei einer Verschlechterung der Plattform finanzielle Einbußen und einen Imageschaden fürchten; zudem könnten Nutzer auf andere Plattformen für vernetzte Fernseher ausweichen.

Außerdem verweist die Behörde auf vier Zusagen von Fox:

  • Fox verbreitet mindestens drei Jahre lang weiterhin Inhalte anderer Anbieter auf Roku, so wie bisher.
  • Fremde Inhalte werden in den Suchergebnissen nicht benachteiligt, und Nutzer können die Anordnung der Apps auf dem Startbildschirm weiterhin selbst verändern.
  • Datenprodukte bleiben für Dritte zu wirtschaftlich angemessenen Bedingungen erhältlich, entsprechend Rokus Standard-Vertriebsvertrag.
  • Vertragliche Brandmauern, die wettbewerbsrelevante Daten zu Inhalten anderer Anbieter schützen, bleiben mindestens drei Jahre bestehen.

Formal handelt es sich um Zusagen des Unternehmens, nicht um einen gerichtlich bestätigten Vergleich. Das DOJ behält sich ausdrücklich vor, einzuschreiten, falls sich die Umstände ändern.

Was das für Roku OS, TV-Hersteller und den Roku Channel heißt

Für die Technik hinter Roku ist das der eigentlich spannende Teil. Roku verkauft nicht nur eigene Streaming-Sticks und -Boxen, sondern lizenziert sein Betriebssystem Roku OS auch an TV-Hersteller. Lizenzierte Roku-TV-Modelle werden laut der Ankündigung vom Juni von führenden TV-Marken in mehr als 15 Ländern verkauft. Startbildschirm, Suche und Nutzungsdaten sind damit genau die Stellen, an denen ein Plattformbetreiber eigene Dienste bevorzugen könnte – und genau dort setzen die Zusagen an. Brisant ist das, weil Tubi und der Roku Channel beide kostenlose, werbefinanzierte Streamingdienste sind und nun unter einem Dach liegen.

Fernbedienung eines TCL-Fernsehers mit Roku OS, mit Direkttasten für Netflix, Disney+, Apple TV+ und HBO Max

Fernseher mit Roku OS stammen von Lizenzpartnern wie TCL. Bild: TCL Roku TV Remote von TaurusEmerald, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Fox betont, Roku bleibe eine offene Plattform; laut der Abschlussmitteilung soll Roku seine Rolle als „leading open ecosystem“ für die Streamingbranche behalten. Konkrete Änderungen an Roku OS, an den Lizenzverträgen mit TV-Herstellern oder am werbefinanzierten Roku Channel hat Fox bislang nicht angekündigt. Der Roku Channel war laut Rokus Zahlen für das dritte Quartal, vorgelegt am 2. November, die am zweitstärksten genutzte App auf der Plattform, in den USA wie international. Im Quartal kam Roku auf 1,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und 39,9 Milliarden Streamingstunden. Eine Telefonkonferenz mit Analysten hielt das Unternehmen wegen der laufenden Übernahme nicht ab.

Roku in Deutschland und Österreich

Hierzulande spielt Roku eine deutlich kleinere Rolle als in Nordamerika, wo die Plattform nach eigenen Angaben in den USA, Kanada und Mexiko nach Streamingstunden führt. In Deutschland startete Roku Ende September 2021 mit eigenen Streaming-Playern ab 29,99 Euro, zum Start erhältlich unter anderem bei Media Markt, Saturn, Amazon und Otto. 2022 folgten Fernseher mit Roku OS, zunächst von Metz und TCL. Laut hifi.de konnten sich die Sticks gegen Amazons Fire-TV-Geräte nie richtig durchsetzen, Roku TV blieb hierzulande ein Exot. In den Berichten zum Deutschlandstart war von Österreich keine Rede.

Was die Übernahme für Nutzer in Deutschland und Österreich bedeutet, ist offen. Weder Fox noch Roku haben bis zum 6. November Änderungen für Europa angekündigt, und die Zusagen gegenüber dem DOJ betreffen die US-Wettbewerbsprüfung. Für Besitzer von Roku-Geräten oder Fernsehern mit Roku OS ändert sich mit dem Abschluss nach bisherigem Stand nichts unmittelbar; angekündigt ist nur, dass die Plattform offen bleiben soll.

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