Ein Geschenke-Tracker für die Feiertage, ein Hochzeitsplaner mit Gästeliste oder ein tägliches Wortspiel: Solche Anwendungen soll Metas KI-Agent Muse künftig auf Zuruf selbst bauen. Am 6. November 2026 hat Meta dafür die Funktion Spaces vorgestellt. Nutzer beschreiben im Chat eine Idee, Muse erstellt daraus einen eigenen Bereich in der Muse-App und hält ihn über verbundene Apps im Hintergrund aktuell. Laut Meta ist die Funktion ab sofort überall verfügbar, wo es Muse gibt. Deutschland und der Rest der EU gehören bislang nicht dazu.

Was Spaces sind

Meta beschreibt einen Space als „individuelles Erlebnis“, das man innerhalb von Muse erstellt, indem man seine Idee beschreibt. Das kann praktisch sein oder unterhaltsam, etwa ein Geschenke-Tracker, ein tägliches Wortspiel oder eine Planungstafel für das nächste Heimwerkerprojekt. Der erste Entwurf ist laut Meta nur der Ausgangspunkt: Im Gespräch mit Muse lassen sich fehlende Elemente ergänzen, das Aussehen ändern oder die Funktionsweise anpassen.

Fertige Spaces legt man in die Seitenleiste oder in die Haupt-Tabs der App, blendet sie aus oder lässt sie zu bestimmten Zeiten erscheinen. Metas Beispiel: unter der Woche den Wochenplaner vorn, am Samstag die Wochenendplanung. TechCrunch-Autor Lucas Ropek beschreibt Spaces nach einem ersten Blick als abgetrennte Unterhaltungen zu einem bestimmten Thema, die in der Seitenleiste neben dem eigentlichen Muse-Chat liegen. Meta-Chef Mark Zuckerberg schrieb laut TechCrunch auf X, er habe damit unter anderem ein Grill-Spiel, einen Event-Tracker und ein Dashboard zur Haussteuerung gebaut.

In der Ankündigung listet Meta weitere Ideen auf, die zeigen, wohin die Reise geht: einen Einkaufs-Hub, der Geschenkideen, auf Instagram gespeicherte Wunschlisten sowie eigene Marketplace-Angebote und Käufernachrichten bündelt; ein Schul-Dashboard, das Termine aus E-Mails der Schule fischt und in den Kalender einträgt; einen Musik-Tracker für neue Veröffentlichungen und Konzerte; dazu Auftragsübersichten für kleine Händler und Kunden-Hubs für Freiberufler mit Projekten, Fristen und Rechnungen.

Externe Apps über Konnektoren

Der Kern der Funktion ist die Anbindung anderer Dienste. „Verbinde die Apps, die du nutzt, und deine Spaces halten sich im Hintergrund selbst auf dem neuesten Stand“, schreibt Meta (Übersetzung der Redaktion). Neue Konzerttermine, Preisänderungen oder Sparfortschritte sollen so auftauchen, ohne dass man nachfragen muss. Abhaken, Notizen ergänzen und Änderungen vornehmen lässt sich direkt im Space.

Welche Apps sich konkret mit Spaces nutzen lassen, sagt Meta in der Ankündigung nicht. Muse arbeitet generell mit sogenannten Konnektoren. In Metas Hilfebereich werden unter anderem Gmail und Google Workspace, Apple Health und Android-SMS genannt; Facebook, Instagram und Threads werden automatisch verbunden, wenn die Konten in derselben Kontenübersicht liegen. Auf der Hausmesse Connect im September kündigte Meta laut TechCrunch zudem Konnektoren für Händler wie Best Buy, Gap, Sephora, Walmart und Wayfair, für Expedia sowie für GitHub, Granola und Notion an. Entwickler können eigene Konnektoren bauen. Solche selbst definierten Konnektoren prüft Meta laut Hilfebereich nicht.

Modell, Plattformen und Verfügbarkeit

„Muse“ ist bei Meta mehr als ein Produktname: So heißen der persönliche KI-Agent und die zugehörige App, aber auch Metas aktuelle Modellfamilie mit Muse Spark und Muse Wonder. Zum Start im September lief der Agent laut Meta mit Muse Spark. Im Oktober stellte Meta die leistungsfähigeren Modelle Muse Wonder und Muse Wonder Full vor; Muse Wonder sollte „bald“ Funktionen in Muse antreiben, zunächst für zahlende Abonnenten. Zusammen mit Spaces verteilt Meta nun nach eigenen Angaben spezialisierte Versionen seiner bestehenden Modelle, die mit Muse Wonder trainiert wurden. Im hauseigenen „Personal Superintelligence Index“ kämen die neuen Muse-Modelle auf 47 statt 38 Prozent. Das sind Herstellerangaben aus eigenen Tests; unabhängige Messungen liegen nicht vor. Welches Modell die Spaces im Einzelnen erzeugt, schreibt Meta nicht.

Muse läuft als App für iOS und Android, im Web unter muse.ai und direkt in WhatsApp. Gestartet ist der Agent am 8. September in den USA. Nach Angaben von Notebookcheck folgte Kanada am 18. September, seit dem 27. Oktober ist Muse laut Meta auch in Singapur verfügbar. Für Europa hat Meta bislang keinen Termin genannt. Bei der Vorlage der Quartalszahlen im Oktober sprach Zuckerberg laut TechCrunch von 10 Millionen Nutzern in den USA und Kanada. Für die meisten Aufgaben ist Muse laut Meta kostenlos, wer mehr will, kann ein Abo abschließen. Spaces mit anderen zu teilen, ist noch nicht möglich; Meta prüft nach eigenen Angaben, wie sich das umsetzen lässt.

Datenschutz: Was Meta verspricht

Weil Spaces sich im Hintergrund aus verbundenen Konten speisen, stellt sich die Frage nach den Daten umso dringlicher. Meta verweist auf die Architektur, die es zum Start von Muse beschrieben hat: Jeder Agent läuft in einer eigenen virtuellen Maschine in der Cloud, der „Muse Secure VM“. Ein getrennter Agent namens Sentinel entscheidet, ob eine Aktion ins Internet darf. Passwörter und Zahlungsdaten sieht Muse laut Meta nicht, vor heiklen Schritten wie dem Versand einer Mail oder einem Kauf fragt der Agent nach. Gespräche und VM-Daten sollen nicht an Metas Werbesysteme gehen, der Nutzung für das Training lässt sich widersprechen. Eine „Muse Confidential VM“, bei der die gesamte VM samt Gesprächen mit einem Schlüssel verschlüsselt ist, den nur der Nutzer besitzt, hatte Meta im September für „später in diesem Jahr“ angekündigt.

Laut Hilfebereich tauschen Konnektoren nur die für eine Aufgabe nötigen Daten aus, viele lassen sich auf reinen Lesezugriff beschränken. Trennt man einen Dienst, endet der Datenaustausch, frühere Informationen können aber im Gedächtnis von Muse und im Chatverlauf bleiben. Man kann den Agenten bitten, sie zu vergessen. All das sind Zusagen des Herstellers, die bislang niemand unabhängig überprüft hat.

Symbolbild: Hand hält ein Smartphone mit geöffnetem KI-Chat (hier ChatGPT im Browser) vor einem aufgeklappten Notebook

Bild: Symbolbild – KI-Chat auf dem Smartphone (hier ChatGPT, nicht Metas Muse). Foto: Jernej Furman / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY 2.0

Einordnung: mehr als ein Projektordner

Ordnungsfunktionen für KI-Chats gibt es bei der Konkurrenz schon länger. OpenAI führte im Dezember 2024 Projekte in ChatGPT ein, in denen sich Unterhaltungen zusammen mit projektspezifischen Dokumenten und Anweisungen sammeln lassen. Anthropic beschreibt Projekte in Claude als in sich geschlossene Arbeitsbereiche mit eigenem Chatverlauf und eigener Wissensbasis. Bei Google lassen sich mit Gems eigene Vorgaben speichern, die die Antworten von Gemini auf bestimmte Bedürfnisse zuschneiden.

Spaces gehen einen Schritt weiter: Statt nur Kontext für Gespräche zu bündeln, erzeugt Muse eine interaktive Oberfläche – Tracker, Spiel oder Dashboard –, die sich selbstständig mit Daten aus angeschlossenen Diensten füllt. Wie gut das im Alltag funktioniert und wie zuverlässig der Agent dabei mit fremden Konten umgeht, muss sich erst zeigen. Für Nutzer in der EU bleibt die Frage vorerst theoretisch.

Quellen

Bildnachweis