Der Linux-Anbieter SUSE baut weltweit rund zehn Prozent seiner Stellen ab. Vorstandschef Dirk-Peter van Leeuwen hat den Schritt am 2. November 2026 in einer internen E-Mail an die Belegschaft angekündigt und ihn ausdrücklich mit Automatisierung und künstlicher Intelligenz begründet. Öffentlich wurde das Schreiben durch das britische IT-Portal The Register, dem die Mail vorliegt. heise online griff den Bericht am Abend desselben Tages auf.

„Wir kündigen einen Abbau der weltweiten Belegschaft von SUSE um etwa 10 Prozent an“, zitiert The Register aus der Mail (Übersetzung der Redaktion, ebenso bei den folgenden Zitaten). Van Leeuwen nennt die Entscheidungen schmerzhaft für die Beschäftigten, für die Unternehmenskultur und für die Open-Source-Community. Sie seien aber notwendig, damit sich SUSE anpassen und langfristig „nachhaltig und widerstandsfähig“ aufstellen könne.

Rund 190 Stellen – welche Bereiche, ist offen

Laut The Register ging die Mail an rund 1.900 Beschäftigte. Der Finanzinvestor EQT, dem SUSE gehört, nennt auf seiner Portfolioseite „mehr als 1.900“ Mitarbeitende. Rechnerisch geht es damit um etwa 190 Stellen. Eine genaue Zahl nennt das zitierte Schreiben nicht.

Offen bleibt auch, welche Teams und Standorte es trifft. Die Rollen, die wegfallen sollen, benennt van Leeuwen nicht. SUSE habe geprüft, wo sich die Stelleninhaber „weiterentwickeln können, was sie nicht mehr tun müssen und wovon sie mehr tun sollten“, auf dieser Grundlage seien die Entscheidungen gefallen. Ob und in welchem Umfang der Hauptsitz in Nürnberg betroffen ist, geht aus den bislang bekannten Informationen nicht hervor.

Den Zeitplan beschreibt die Mail recht genau: Die betroffenen Mitarbeitenden sollen bis zum 4. November informiert werden, am Tag darauf sollen Arbeitnehmervertreter benannt werden. Einzelgespräche beginnen laut The Register zu Beginn der darauffolgenden Woche, also ab dem 9. November. Am 16. November will die Geschäftsführung der übrigen Belegschaft die Strategie für das Geschäftsjahr 2027 vorstellen.

Die Begründung: KI verändere, wie Softwarefirmen arbeiten

Den Abbau leitet van Leeuwen aus einer Überprüfung von „künftiger Strategie, benötigten Fähigkeiten und Teamstrukturen“ ab. Klar sei, „dass Automatisierung und KI die Arbeitsweise von Softwareunternehmen grundlegend verändern“, schreibt er laut The Register. Die Fähigkeiten von KI wüchsen exponentiell und zwängen dazu, die eigene Arbeit radikal neu zu denken. Die Organisation und die Kostenbasis, auf denen SUSE heute aufbaue, würden das Unternehmen deshalb nicht erfolgreich in die Zukunft tragen.

Moderne Werkzeuge veränderten schon jetzt die täglichen Abläufe bei SUSE: Teams kämen schneller voran, mit weniger operativem Aufwand und flacheren Hierarchien. Der Bedarf an einigen bestehenden Rollen sei „stark zurückgegangen“, andere Rollen würden sich in den kommenden Jahren wandeln. SUSE werde Investitionen in vorrangige Bereiche beschleunigen und andere zurückstellen.

Wie viel Arbeit KI bei SUSE tatsächlich übernimmt, lässt sich aus dem Schreiben nicht ablesen. Zahlen zu Produktivitätsgewinnen oder dazu, welche Tätigkeiten automatisiert wurden, nennt das Unternehmen nicht. Klar ist nur, dass SUSE KI auch zum Kern seines Produktgeschäfts macht: Auf der Hausmesse SUSECON 2025 stellte der Hersteller laut The Register unter anderem agentische KI-Workflows, Guardrails und Observability-Werkzeuge für seine Plattform SUSE AI vor. In seinen Pressemitteilungen beschreibt sich SUSE inzwischen als führender Anbieter souveräner, offener Infrastruktur, auf der hybride KI läuft – zuletzt am 27. Oktober, als der Hersteller Multi-Linux-Management und KI-Agenten-Workflows über das Model Context Protocol (MCP) für Oracles Cloud-Infrastruktur ankündigte.

Vorlauf: Freiwilligenprogramm im September

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. Bereits am 22. September hatte The Register berichtet, dass SUSE langjährigen Beschäftigten ein freiwilliges Ausscheiden angeboten hat. Mehrere Quellen bestätigten dem Portal damals, dass vor allem Mitarbeitende mit mehr als zehn Jahren Betriebszugehörigkeit angesprochen wurden. Ein SUSE-Sprecher erklärte seinerzeit, das Unternehmen habe für berechtigte Mitarbeitende ein Programm für freiwilliges Ausscheiden und Vorruhestand eingeführt, um seine Struktur an langfristigen strategischen Prioritäten auszurichten. Die Teilnahme sei für beide Seiten freiwillig, Zielvorgaben gebe es keine.

Offenbar haben sich nicht genug Freiwillige gefunden: The Register wertet den jetzigen Abbau als Folge davon. Das Portal verweist zudem darauf, dass sich Beschäftigte am Standort Prag 2026 gewerkschaftlich organisiert haben. Die „SUSE Workers Union“ gehört zur tschechischen ICT Union.

Eigentümer EQT und Verkaufsgerüchte

SUSE wurde 1992 in Fürth gegründet. Das Unternehmen entwickelt unter anderem SUSE Linux Enterprise Server (SLES), die Container-Management-Plattform Rancher und Edge-Lösungen. 2018 kaufte EQT den Linux-Spezialisten für 2,5 Milliarden US-Dollar vom Softwarekonzern Micro Focus, 2021 folgte der Börsengang in Frankfurt. 2023 nahm EQT das laut heise in Luxemburg ansässige Unternehmen wieder von der Börse, damals wurde SUSE laut heise mit knapp drei Milliarden US-Dollar bewertet.

Im März 2026 berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, EQT erwäge einen Verkauf von SUSE. Im Raum stand nach heise-Angaben ein Preis von bis zu sechs Milliarden US-Dollar, die Gespräche befanden sich demnach in einem frühen Stadium. heise bezifferte den Jahresumsatz damals auf rund 800 Millionen US-Dollar bei einem operativen Gewinn von über 250 Millionen US-Dollar. Ob der Stellenabbau mit möglichen Verkaufsplänen zusammenhängt, ist nicht bekannt; das zitierte Schreiben stellt keinen solchen Zusammenhang her.

Bürogebäude in der Nürnberger Frankenstraße mit den Logos von Sopra Financial Technology, SUSE und Fujitsu an der Fassade, Aufnahme von 2025

Bild: SUSE-Büros in der Nürnberger Frankenstraße, 2025 – Foto: Kbojens / Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0

Was das für Kunden und openSUSE bedeutet

Für Unternehmen, die SLES oder Rancher einsetzen, enthält das Schreiben keine Aussagen zu Produkten, Support oder Roadmaps. Eine öffentliche Mitteilung zum Stellenabbau hat SUSE in seinem Newsroom nicht veröffentlicht. Änderungen an bestehenden Support-Zusagen hat SUSE nicht angekündigt; für SLES 15 SP7 etwa hatte der Hersteller im März 2025 Unterstützung bis 2037 in Aussicht gestellt. Wer SUSE-Produkte betreibt, sollte die Strategie-Vorstellung am 16. November und die offiziellen Lifecycle-Angaben im Blick behalten.

Ebenso offen ist, ob die Community-Distribution openSUSE betroffen ist. Aus dem openSUSE-Projekt geht laut The Register die SUSE-Linux-Familie einschließlich SLES hervor, beide sind also eng verzahnt. Ob auch Entwicklerinnen und Entwickler wegfallen, die an openSUSE arbeiten, sagt das Schreiben nicht. Die Open-Source-Community erwähnt van Leeuwen nur in dem Satz, dass die Entscheidungen auch für sie schmerzhaft seien. Eine Stellungnahme von SUSE oder dem openSUSE-Projekt zu möglichen Folgen für die Distributionen lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Den Betroffenen schreibt van Leeuwen, der Abbau spiegele „veränderte organisatorische Anforderungen wider, nicht euer Talent oder Engagement“. Jedes Unternehmen könne sich glücklich schätzen, ihre Expertise zu bekommen.

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