Bei faltbaren Smartphones entscheidet die Software mit über den Nutzen: Ein großes Innendisplay bringt wenig, wenn Apps darauf nur als schmaler Ausschnitt mit schwarzen Rändern laufen. Für das iPhone Duo meldet Apple nun eine Zahl, die genau diese Sorge entkräften soll: Mehr als 100.000 Apps im App Store sind nach Angaben des Konzerns bereits an das erste faltbare iPhone angepasst. Das erklärte Susan Prescott, Apples Vizepräsidentin für weltweite Entwicklerbeziehungen, am 6. November in einer Stellungnahme, die das US-Portal MacRumors veröffentlichte – gut zwei Wochen nach dem Verkaufsstart am 23. Oktober.

Laut Prescott kommen jeden Tag Tausende weitere angepasste Apps hinzu. Die Zahl ist eine Herstellerangabe, eine unabhängige Zählung gibt es nicht. Eine eigene Mitteilung im Apple Newsroom oder in Apples Entwicklernachrichten gab es dazu bis zum Abend des 6. November nicht.

Was „angepasst“ beim iPhone Duo bedeutet

Gezählt werden laut MacRumors Apps, die mit dem SDK von iOS 27.1 oder neuer gebaut wurden. Apple unterscheidet in seiner Entwicklerdokumentation drei Stufen. Apps mit dem SDK von iOS 26 oder älter laufen zwar auf dem iPhone Duo, erscheinen auf dem aufgeklappten Gerät aber in der Mitte des Displays, mit leeren Flächen drumherum. Mit dem iOS-27-SDK gebaute Apps füllen den größten Teil des Innendisplays, sparen aber die Statusleiste am rechten Rand aus. Erst ab dem SDK von iOS 27.1 nutzen Apps die volle Fläche; Symbol- und Tab-Leisten wandern dann senkrecht unter die Statusleiste.

Solche Apps tragen im App Store das Kennzeichen „Made for iPhone Duo“. Laut Apples Entwicklernachrichten vom 5. Oktober erscheint dieses Abzeichen, sobald Entwickler in App Store Connect Bildschirmfotos für das iPhone Duo hinterlegen. Ab April 2027 verlangt Apple solche Screenshots für alle neu eingereichten Apps und Spiele.

Wie Entwickler ihre Apps umbauen

Apps, die auf die Standardkomponenten von SwiftUI und UIKit setzen, passen sich laut MacRumors weitgehend von selbst an. Apples Entwicklerseite zur Vorbereitung auf das iPhone Duo nennt die typischen Stolpersteine: Statt UIScreen.main.bounds sollen Apps die Größe der View oder des Fensters abfragen und ihr Layout bei jeder Größenänderung neu berechnen. Aus der Geräteausrichtung soll niemand mehr auf die Form des Fensters schließen, und Abfragen wie userInterfaceIdiom == .phone oder fest verdrahtete Bildschirmhöhen haben ausgedient. Denn mit dem iPhone Duo kann eine iPhone-App laut Apple jede Kombination von Größenklassen haben – eine horizontalSizeClass mit dem Wert .regular bedeutet also nicht mehr automatisch, dass die App auf einem iPad läuft.

Dazu kommen neue Schnittstellen im iOS-27.1-SDK, die Apple am 22. Oktober beschrieben hat: APIs für die Anordnung von Inhalten und für reservierte Bildschirmbereiche, eine Scharnier-API, die auf den Öffnungswinkel des Displays reagiert, sowie sogenannte Scene Accessories, mit denen Apps Inhalte auf beiden Displays zeigen. Getestet wird unter anderem mit Device Hub in Xcode 27.1, das Öffnen, Schließen, Falten und Drehen des iPhone Duo simuliert. Nach Angaben von MacRumors hat Apple außerdem mehr als 50 Workshops vor Ort in 19 Städten veranstaltet.

Zugeklapptes iPhone Duo mit eingeschaltetem Display, im Hintergrund ein Notebook

Bild: iPhone Duo von SimonWaldherr, Lizenz CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Word, Outlook, Netflix: Was schon passt – und was fehlt

Unter den angepassten Apps nennt MacRumors Microsofts Word, Excel, PowerPoint und OneNote, dazu Zoom, Netflix, Amazon Prime Video, Instagram, WhatsApp, YouTube, Etsy, Goodnotes, Fantastical, Flighty und Halide Mark III. Die Office-Apps hat Microsoft am 2. November aktualisiert, Outlook war laut MacRumors schon vorher angepasst. Apple hatte im Newsroom am 22. Oktober angekündigt, Word zeige seine Formatierungswerkzeuge auf dem iPhone Duo neben dem Dokument und Outlook den Posteingang neben einer geöffneten Nachricht; Apple spricht von einem Erlebnis wie am Desktop.

Vollständig ist das Angebot trotzdem nicht. Noch nicht angepasst waren laut MacRumors am 6. November unter anderem Microsoft Teams und der Microsoft Authenticator, Google Docs, Sheets und Slides, Google Home, Bluesky, Duolingo, PayPal, Steam und YouTube Music – und sogar Apples eigene Apple-Store-App. Diese Apps laufen weiterhin, nutzen das 7,6 Zoll große Innendisplay aber nicht vollständig aus.

Lieferzeiten: Neubestellungen erst 2027

An Interesse mangelt es nicht. Schon am Tag des Vorbestellstarts, dem 16. Oktober, rutschten die Liefertermine im Apple Online Store in den Januar 2027. In den USA zeigte Apple laut MacRumors innerhalb einer halben Stunde den 25. Januar an, im deutschen Store waren es laut iphone-ticker.de nach rund zwei Stunden mehr als drei Monate – unabhängig von Farbe und Speichergröße. Gegenüber der Financial Times nannte Apple die Nachfrage „nothing short of extraordinary“, also geradezu außergewöhnlich.

Bis Anfang November hat sich daran wenig geändert. Bei der Vorlage der Quartalszahlen am 2. November räumte Apple ein, das iPhone Duo sei knapp, und erklärte, man könne noch nicht absehen, wann Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht seien. Laut TechCrunch reichen die Lieferzeiten für Neubestellungen bis ins Jahr 2027, MacRumors nannte für Bestellungen vom 2. November Liefertermine im Januar. Zwar hatte Apple um den 20. Oktober bei einzelnen Vorbestellungen die Termine nach vorn verlegt, an der grundsätzlichen Knappheit ändert das aber nichts.

Hintergrund: Das iPhone Duo in Kürze

Apple hat das iPhone Duo am 9. September vorgestellt. Es hat ein 7,6 Zoll großes Innendisplay und ein 5,4 Zoll großes Außendisplay, beide mit demselben Seitenverhältnis. Als Prozessor dient der A20 Pro, gefertigt in einem 2-Nanometer-Prozess. Der Rahmen besteht aus Titan, das Gerät ist nach IP68 gegen Staub und Wasser geschützt und funktioniert ausschließlich mit eSIM. iOS 27 bringt auf dem Duo unter anderem Split View mit zwei Apps nebeneinander, laut Apple eine Premiere auf dem iPhone.

In Deutschland kostet das iPhone Duo laut Apple ab 2.299 Euro, in Österreich ab 2.319 Euro, jeweils mit 256 GByte Speicher; daneben gibt es Varianten mit 512 GByte sowie 1 und 2 TByte. In den USA beginnt der Preis bei 1.999 US-Dollar. Ende Oktober bestätigte Apple außerdem ein Problem mit dem Innendisplay bei einer kleinen Zahl von Geräten; Betroffene sollen sich an AppleCare wenden.

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