Wer Astronaut bei der NASA werden will, hat jetzt knapp vier Wochen Zeit: Am 7. November hat die US-Raumfahrtbehörde die Bewerbungsphase für ihre nächste Astronautenklasse eröffnet. Die Ausgewählten sollen nach den Worten der NASA zum Mond fliegen, an der geplanten Mondbasis mitarbeiten und die ersten Marsmissionen mit Besatzung vorbereiten. Bewerben können sich nur US-Staatsbürger, und zwar bis Donnerstag, 3. Dezember, 23:59 Uhr Ostküstenzeit (EST). In Mitteleuropa ist das Freitag, 4. Dezember, 5:59 Uhr MEZ.

NASA-Chef Jared Isaacman sprach von einer „außergewöhnlichen Zeit“ (Übersetzung), um dem Astronautenkorps beizutreten: Die Ausgewählten könnten auf dem Mond laufen, an der Mondbasis leben und arbeiten und an den Systemen mitwirken, die Besatzungen eines Tages zum Mars bringen sollen. Die endgültige Auswahl will die NASA Ende 2027 treffen.

Die Voraussetzungen: US-Pass, Master und drei Jahre Berufserfahrung

Beworben wird sich ausschließlich über das Stellenportal USAJOBS (Ausschreibung NASA-13093568-27-AS). Neben der US-Staatsbürgerschaft verlangt die NASA einen Masterabschluss in einem MINT-Fach, also Ingenieurwesen, Biologie, Physik und anderen Naturwissenschaften, Informatik oder Mathematik, von einer akkreditierten Hochschule. Alternativ genügen zwei abgeschlossene Studienjahre in einem entsprechenden Promotionsprogramm, ein medizinischer Abschluss (etwa in Humanmedizin, als Physician Assistant oder Nurse Practitioner) oder eine Testpilotenschule, die bis Juli 2027 abgeschlossen sein muss; dann ist zusätzlich ein MINT-Bachelor nötig. Abschlüsse aus dem Ausland zählen, wenn ihre Gleichwertigkeit nachgewiesen ist. Ausdrücklich nicht anerkannt werden unter anderem „Technology“-Studiengänge wie Engineering Technology, Luftfahrtmanagement, Sportphysiologie, Sozialwissenschaften und Psychologie – mit Ausnahme klinischer, physiologischer und experimenteller Psychologie.

Nach dem Abschluss müssen Bewerber mindestens drei Jahre einschlägige Berufserfahrung gesammelt haben. Piloten können sie über Flugstunden nachweisen: 750 Stunden als verantwortlicher Pilot (Pilot in Command) auf Hochleistungsjets, 1500 Stunden auf anderen Flächenflugzeugen, davon 750 als verantwortlicher Pilot, oder 1000 Stunden auf Hubschraubern, davon 300 als verantwortlicher Pilot. Jeder Bewerber wählt genau eine von sieben Fachrichtungen: Pilot, Flugtest, Medizin, Biologie und Medizinwissenschaften, physikalische Wissenschaften, Ingenieurwesen sowie „Operations“. In die letzte Gruppe fällt Erfahrung aus Umfeldern, in denen Fehler in Echtzeit Menschenleben oder Fahrzeuge gefährden. Die Ausschreibung nennt etwa Sättigungs- und Höhlentauchen, Start- und Missionskontrolle, den Dienst auf Atom-U-Booten, Rettungseinsätze und Spezialkräfte.

Hinzu kommen körperliche Anforderungen. Bewerber müssen die Flugtauglichkeitsuntersuchung der NASA für Langzeitmissionen bestehen, die Sehschärfe muss auf 20/20 korrigierbar sein (Brille sowie Augenlaser per LASIK oder PRK sind erlaubt). Vor der Einstellung steht ein Fitnesstest, im ersten Monat ein Schwimmtest.

Ablauf: ein Jahr Auswahl, zwei Jahre Ausbildung

Zur Online-Bewerbung gehören ein ausführlicher Lebenslauf, sämtliche Zeugnisse der MINT-Studiengänge und fünf Referenzen. Danach folgen Online-Tests im System USA Hire, für die die NASA mindestens zweieinhalb Stunden veranschlagt. Bemerkenswert: Wer schummelt, seine Qualifikation übertreibt oder „SI (Super Intelligence)“ einsetzt, wird laut Ausschreibung aus dem Verfahren genommen.

Nach dem vorläufigen Zeitplan prüft die NASA die Bewerbungen von Dezember bis April 2027. Im Frühjahr 2027 lädt sie erste Kandidaten zu Gesprächen und Tests ins Johnson Space Center in Houston ein, im Sommer folgt die letzte Runde. Die neue Klasse soll im Herbst 2027 vorgestellt werden und im Winter 2027/28 ihren Dienst antreten. Je nach Zahl der Bewerbungen kann sich der Zeitplan verschieben.

Das mehrstöckige Hauptgebäude (Gebäude 1) des Johnson Space Center in Houston hinter Eichen, davor Fahnenmasten unter anderem mit der US-amerikanischen und der texanischen Flagge

Bild: Im Johnson Space Center in Houston sollen die neuen Astronautenkandidaten im Winter 2027/28 anfangen. Foto: Bill Stafford/NASA, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Die Ausgewählten werden zunächst als Astronautenkandidaten für 30 Monate befristet eingestellt und durchlaufen eine rund zweijährige Ausbildung mit Raumfahrzeugsystemen, Außenbordeinsätzen, Robotik, Flugtraining, Teamarbeit und je nach Mission Russisch. Dafür müssen sie unter anderem bereit sein, bis zu sieben Stunden am Tag im Raumanzug unter Wasser zu trainieren. Erst nach bestandener Ausbildung folgt die Festanstellung. Einen Flug garantiert die NASA nicht; wer eingeteilt wird, muss auch Einsätze von zwölf Monaten und länger akzeptieren. Das Gehalt beziffert die Ausschreibung nach dem Tarif von 2026 auf 164.395 US-Dollar im Jahr.

Mehr als 8000 Bewerbungen beim letzten Mal

Die Konkurrenz ist groß. Zuletzt hatte die NASA vom 5. März bis 16. April 2024 Bewerbungen angenommen. Aus mehr als 8000 Bewerbungen wählte sie zehn Kandidaten aus, die am 22. September 2025 vorgestellt wurden und derzeit noch in der knapp zweijährigen Ausbildung stecken. Rechnerisch kam damit etwa eine von 800 Bewerbungen durch. Seit den 1960er-Jahren hat die NASA 370 Menschen als Astronautenkandidaten ausgewählt, aktiv sind derzeit 32 Astronautinnen und Astronauten.

Und wer nicht US-Bürger ist?

Für Interessierte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz führt der Weg ins Astronautenkorps über die Europäische Weltraumorganisation ESA. Bei ihrer letzten Auswahl konnten sich nur Staatsangehörige der ESA-Mitgliedsstaaten und assoziierten Staaten bewerben, dazu zählen alle drei Länder. Verlangt waren ein Master in Naturwissenschaften, Medizin, Ingenieurwesen, Mathematik oder Informatik, mindestens drei Jahre Berufserfahrung und ein Höchstalter von 50 Jahren. Einen Pilotenschein brauchte man nicht, wohl aber die medizinische Tauglichkeit für eine Privatpilotenlizenz.

Solche Ausschreibungen sind selten: Vor der Runde von 2021 hatte die ESA seit 1978 nur dreimal nach Astronauten gesucht, zuletzt 2008. Aus mehr als 22.500 Bewerbungen wählte sie am 23. November 2022 insgesamt 17 Personen aus: fünf Astronautenkandidaten, darunter den Schweizer Marco Sieber, und zwölf Mitglieder einer Astronautenreserve, darunter die Deutschen Amelie Schoenenwald und Nicola Winter sowie die Österreicherin Carmen Possnig. Die meisten Reservemitglieder, unter ihnen Schoenenwald und Possnig, haben im Mai 2026 ein eigenes Ausbildungsprogramm abgeschlossen und stehen laut ESA nun für Missionen bereit. Zwei aus der Reserve sind bereits geflogen, beide auf kommerziellen Missionen von Axiom Space zur ISS: der Schwede Marcus Wandt im Januar 2024 und der Pole Sławosz Uznański-Wiśniewski im Juni 2025. Wann die ESA wieder allgemein nach neuen Astronautinnen und Astronauten sucht, ist offen.

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