SpaceX hat am 7. November den Flugplan für den 15. Testflug von Starship veröffentlicht. Erstmals soll nicht nur der Booster Super Heavy, sondern auch die Starship-Oberstufe nach dem Flug zum Startplatz in Texas zurückkehren und von den Fangarmen des Startturms aufgefangen werden. Gelingt das, wäre es nach Angaben von SpaceX die erste vollständige Bergung eines Orbital-Raketensystems. Starten soll Starship-Flug 15 frühestens am 13. November um 23:45 Uhr MEZ – allerdings nur, wenn die Behörden zustimmen.

Startfenster am 13. November ab 23:45 Uhr MEZ

Laut der Missionsseite von SpaceX öffnet das 75 Minuten lange Startfenster am Freitag, 13. November, um 16:45 Uhr texanischer Zeit. Da in den USA seit dem 1. November wieder Normalzeit gilt (CST, UTC−6), entspricht das 22:45 Uhr UTC oder 23:45 Uhr MEZ; das Fenster schließt am 14. November um 1:00 Uhr MEZ. Die Liveübertragung soll etwa 30 Minuten vor dem Start beginnen und bis zum Fang des Raumschiffs laufen. SpaceX weist darauf hin, dass sich der Zeitplan noch ändern kann.

Gestartet wird von Pad 2 in Starbase, das seit Flug 12 im Mai 2026 genutzt wird. Zum Einsatz kommen Booster 22 und Ship 42 aus der dritten Starship-Generation, die SpaceX „V3“ nennt. Booster 22 absolvierte am 25. Oktober einen Standtest mit allen 33 Raptor-Triebwerken, Ship 42 zündete Ende Oktober alle sechs Triebwerke und in einem weiteren Test ein einzelnes Raptor, um die Bremszündung vor dem Wiedereintritt zu simulieren.

Der Flugplan: rund 14 Erdumläufe in mehr als 22 Stunden

Für den Booster ist die Mission kurz: Nach der Stufentrennung kehrt er um und soll rund sechseinhalb Minuten nach dem Start am Turm gefangen werden. Es ist der erste Fangversuch mit einem Booster der dritten Generation. Drei Booster der ersten Generation hat der Turm bereits gefangen, zwei davon flogen später erneut.

Der Super-Heavy-Booster hängt bei Flug 5 am 13. Oktober 2024 zwischen den Fangarmen des Startturms in Starbase, unter ihm Triebwerksflammen und Dampfwolken

Bild: Fang eines Super-Heavy-Boosters der ersten Generation bei Flug 5 im Oktober 2024. Bei Flug 15 soll erstmals auch die Oberstufe so gefangen werden. Foto: Steve Jurvetson, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Die Oberstufe fliegt zunächst auf eine passiv sichere, suborbitale Bahn: Ginge in dieser Phase etwas schief, würde Starship über einem gesperrten Gebiet im Indischen Ozean niedergehen. Erst nach einer Prüfung durch die Flugleitung bringt ein einzelnes Raptor-Triebwerk das Raumschiff rund 26 Minuten nach dem Start in eine Umlaufbahn in etwa 275 Kilometern Höhe. Ab etwa der 35. Minute setzt Starship 26 Starlink-Satelliten aus. Danach kreist es noch rund 21 Stunden um die Erde, bis seine Bahn wieder zu Starbase passt – insgesamt plant SpaceX etwa 14 Erdumläufe. Für einen vorzeitigen Abbruch sind Wasserungsgebiete nahe Hawaii und vor der Küste Chiles vorbereitet.

Anflug über Mexiko und Texas, Fang zwischen den Turmarmen

Zurückkehren darf das Raumschiff nur, wenn es Kriterien erfüllt, die SpaceX entwickelt und die FAA gebilligt hat. Der Wiedereintritt beginnt über dem Pazifik, Tausende Kilometer vor Starbase. Mit seinen vier Klappen steuert Starship dann über dünn besiedelte Gebiete im Norden Mexikos und im Süden von Texas, umfliegt die großen Städte im Rio Grande Valley und dreht nördlich von South Padre Island über dem Golf zum Endanflug nach Süden. Anwohner im Cameron County müssen mit Überschallknallen rechnen.

Über Starbase richtet sich das Raumschiff aus der Bauchlage auf, zündet seine drei Raptor-Triebwerke für den Betrieb in Meereshöhe, schaltet zwischen den Armen des Turms an Pad 2 auf zwei und schließlich auf ein Triebwerk herunter und kommt fast zum Schweben. Dann schließen sich die Arme und greifen Starship an zwei Fangpunkten unterhalb der vorderen Klappen. Laut dem SpaceX-Zeitplan wäre das rund 22 Stunden und 32 Minuten nach dem Start, bei einem Start zu Beginn des Fensters also am 14. November gegen 22:18 Uhr MEZ. Für den Notfall kann die Flugleitung das Schiff beim Wiedereintritt absichtlich ins Taumeln bringen, damit es zerbricht, bevor es Land erreicht, oder es spät noch in den Golf umleiten.

Was die bisherigen V3-Flüge gezeigt haben

Die dritte Generation ist bislang dreimal geflogen, mit gemischter Bilanz. Bei Flug 12 am 22. Mai und Flug 13 am 24. Juli zündeten die Booster für Rückflug beziehungsweise Landung nicht genug Triebwerke und schlugen hart im Golf auf. Die Schiffe erreichten jeweils ihre Bahn und wasserten im Indischen Ozean; bei Flug 13 setzte Starship erstmals 20 Starlink-V3-Satelliten aus, die auf der suborbitalen Bahn planmäßig verglühten.

Flug 14 am 28. September war der erste Orbitalflug. Der Booster wasserte kontrolliert im Golf; seine Rückkehrzündung verbrauchte absichtlich den restlichen Flüssigsauerstoff, um Leistungsgrenzen für künftige Rückflüge zum Startplatz auszuloten. Ship 41 verlor beim Aufstieg ein Vakuumtriebwerk, erreichte dennoch die Umlaufbahn und setzte alle 26 Starlink-V3-Satelliten aus. Wegen des Triebwerksproblems verkürzte die Flugleitung den Aufenthalt im Orbit und holte das Schiff mit der ersten Bremszündung der Starship-Geschichte zurück; es wasserte im Nordpazifik. Zum Startplatz zurückgekehrt ist bislang keine Oberstufe.

Am Hitzeschild übernimmt SpaceX nach eigenen Angaben die mit Flug 14 eingeführten Verbesserungen, etwa zusätzliche Halterungen für Kacheln an gefährdeten Stellen; ein großer Teil der Fläche trägt zudem gewölbte Kacheln, die die Erwärmung in den Fugen verringern sollen. Drei der Starlink-Satelliten tragen Kameras, die den Hitzeschild nach dem Aussetzen von außen aufnehmen – eine der Datenquellen für die Entscheidung über die Rückkehr.

Warum der Fang des Raumschiffs so wichtig ist

SpaceX nennt die vollständige Bergung beider Stufen den „Heiligen Gral der Raketentechnik“. Erst wenn auch die Oberstufe heil zurückkommt und rasch wieder fliegen kann, ist Starship vollständig wiederverwendbar – mit einer Startfrequenz, die sich nach den Vorstellungen von SpaceX dem Flugbetrieb von Flugzeugen annähern soll. Bei der Falcon 9 wird dagegen nur die erste Stufe geborgen.

Das betrifft auch das Artemis-Programm der NASA. Eine Variante von Starship soll als Mondlandefähre (Human Landing System, HLS) Astronauten auf den Mond bringen und muss dafür in der Erdumlaufbahn von anderen Starships betankt werden. SpaceX schrieb im Oktober 2025, Start, Rückkehr, Fang und Wiederverwendung der Rakete seien nötig, um die hohe Startfrequenz für Mondmissionen zu erreichen. In einer Präsentation vom Internationalen Astronautischen Kongress 2026 führt die NASA den ersten Fang eines Raumschiffs als Meilenstein von SpaceX auf, neben einer Demonstration der Treibstoffübertragung. Laut derselben Präsentation soll bei Artemis III im Jahr 2027 die Orion-Kapsel in der Erdumlaufbahn mit den Landern von SpaceX und Blue Origin erprobt werden; die erste Mondlandung mit Besatzung seit 1972 ist für Anfang 2028 mit Artemis IV vorgesehen, der Lander dafür noch offen.

Starlink V3: Satelliten, die nur Starship tragen kann

Die Nutzlast ist kein reiner Test mehr. Nach Angaben von SpaceX soll jeder der 26 Starlink-V3-Satelliten die Kapazität des Netzes um 1 Terabit erhöhen; alle 26 zusammen entsprächen etwa zehn Falcon-9-Starts mit Satelliten der Vorgängerversion V2 Mini. Für die Falcon 9 sind die neuen Satelliten zu groß. Nach dem Aussetzen sollen sie ihre Bahn mit eigenen Triebwerken anheben und laut SpaceX schon wenige Wochen nach dem Start Kunden versorgen.

Noch fehlt die Freigabe der FAA

Den Starttermin nennt SpaceX ausdrücklich unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung („pending regulatory approval“). Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat ihre Umweltprüfungen für Rückflüge der Oberstufe nach Starbase und für zusätzliche Wasserungsgebiete im Pazifik abgeschlossen. Dass die konkrete Lizenzänderung für Flug 15 vorliegt, hatten bis zum 7. November aber weder SpaceX noch die FAA mitgeteilt. Hier kann sich der Termin noch verschieben. Parallel prüft die FAA seit Oktober den Antrag von SpaceX, in Starbase künftig bis zu 456 Starts pro Jahr durchzuführen; genehmigt sind bislang bis zu 25.

Quellen

Bildnachweis